„Da ist nichts.“ „Aber ich habe ständig Schmerzen“ „Ja, aber da sieht man nichts.“ „Und was mache ich jetzt“ „Haben sie Stress?“ „Ja, aber das ist es nicht.“ „Das kann sich auf alles auswirken. Gehen sie Nachhause und entspannen sie sich etwas“ „Okay.“ Einer dieser Dialoge die ich sehr oft geführt habe, wenn ich mitten in der Nacht nicht mehr wusste wie mir geschieht und ins Krankenhaus gefahren bin. In den letzten Jahren war ich gefühlte 100-mal in dieser Situation – entweder im Krankenhaus oder in der Ordination. Tatsächlich wahrscheinlich wohl ungefähr 40-mal. Zeit die ich und den Ärzten gerne gespart hätte, aber sie hatten nie eine Lösung parat und ich bin immer mit dem Beigeschmack behandelt worden ich wäre eine Hypochonderin – ein tolles Gefühl. Immerhin vor zwei Jahren hat das erste Mal jemand festgestellt dass mein Darm entzündet ist und mir alles dafür gegeben dass die Entzündung aufhört. Als ich fragte, wann ich die Tabletten aufhören soll, meinte er nehme sie sie mal so lange sie können. Eine Antwort die ich in meinen Thirtysomething nicht wirklich akzeptieren kann. Grund: Es ist für mich okay, wenn man schwer krank ist Medikamente zu nehmen, aber nicht, wenn man nicht muss. Ich glaube an das Regulativ meines Körpers – ich glaube das der menschliche Organismus von sich aus sehr viel schafft, wenn man ihm die notwendigen Rahmenbedingungen bietet.
Ich habe mich in den letzten Jahren Gluten frei und teilweise vegan ernährt – auf der Suche nach dem Grund meiner Symptome. Das war es aber wohl auch nicht. Es war zwar dann besser, aber nicht weg. Dafür konnte ich dank dieser Ernährung feststellen, dass Pizza und Pasta meine persönlichen Feinde sind.

Vor vier Wochen meinte dann mein Shiatsu Masseur ich sollte das Buch „Wie der Weizen uns vergiftet“ von Julien Venesson lesen. Das perfekte Buch für mich: Wissenschaftlich ohne langweilig zu sein, fundiert und mit einer Lösung. Der lange Anhang mit Quellenangaben gibt einem die Sicherheit, dass die Behauptungen stimmen und den einen oder anderen Artikel auf den er verweist, habe ich auch in der Zwischenzeit gelesen. Die Feststellung für mich: Der Weizen vergiftet mich anscheinend.

Heute möchte ich euch einige der Kernaussagen und meine persönlichen „Ahas“ mit diesem Buch vorstellen. Ein Kickoff-Beitrag für ganz viele Beiträge über mein Projekt #weizenfrei

Unser Weizen – ein Mutant?

Etwas das wir ganz vergessen haben ist: Vor 60 Jahren hätten wir es nie geschafft so viele Nahrungsmittel zu produzieren. Es gab eine echte Knappheit an Getreide. Die USA konnte damals seine eigene Bevölkerung knapp ernähren, Mexiko konnte seinen inländischen Bedarf nicht decken – ein Export war undenkbar. Millionen von Menschen auf dieser Erde waren von einer realen (weil es einfach nichts gab- nicht so wie heute wo man einfach nicht teilt) Hungersnot bedroht. Damals haben Wissenschaftler durch Rückkreuzung mehrere neue Sorten Weizen kreiert- hier entstand (wie ich ihn nenne)„Turbo-Weizen“- Weizen der mehr Ertrag bringt, dessen Ähre auch den Ertrag tragen kann und der Widerstandsfähiger war. Das Ergebnis: Ein dreimal höherer Ertrag als sein Vorgänger. Ein Weltwunder für damalige Zeiten. Schaut man aber genauer hin, muss man feststellen: das ist genveränderter Weizen. Auch wenn er nicht nach der heutigen europäischen Definition als genverändert gilt weil er durch eine „Rückkreuzung“ entstanden ist. (Anmk. So schützt man sich vor einem weiteren Problem) Damals hat man natürlich diesen Weizen nicht getestet – das Wunder war einfach zu groß. Seit den 90er Jahren versucht man diese veränderten Gene zu entschlüsseln – bis heute hat man das nicht ganz geschafft. Wir essen alle Weizen von dem die Wissenschaft nicht weiß was drinnen ist. Ganz normaler Weizen ist es nicht und auch die Bezeichnung “Urweizen“ gibt keine Sicherheit darüber, dass nicht Teile/ Kreuzungen dieses Weizens dabei sind. Unglaublich oder?

Glutensensitivität

Gluten Allergie ist eine sehr seltene Krankheit. Gluten Unverträglichkeiten kann man gut feststellen. Wobei wer dieses Buch liest, kommt schnell drauf, dass es vielleicht gar nicht so leicht ist wie sie alle tun eine Unverträglichkeit oder Allergie festzustellen wie uns so mancher „Allergietest“ weismachen möchte. Es gibt allerdings sehr viele Arten Gluten Unverträglichkeiten – „Zöliakie“ ist dabei nicht die einzige. Es gibt Menschen die Gluten unverträglich sind aber nicht die Schädigungen des Darms oder die Antikörper aufweisen so dass es in den Augen des Arztes völlig unbemerkt bleibt. Bei Glutensensitivität gibt es die gleichen Symptome (Sodbrennen, chronische Müdigkeit, Reizdarm Syndrom, Reizbarkeit, Depression/Ängstlichkeit/Panikattacken, Gelenksschmerzen, Knochenschwäche, Kopfschmerzen, Migräne, etc.) wie bei Gluten Unverträglichkeit, allerdings bleiben die Komplikationen (Autoimmunerkrankungen, Krebs, etc.) aus. Das es diese Sensitivität gibt, ist wissenschaftlich erwiesen und keine Laune dieses Autors.

Als ich das gelesen habe, war der Entschluss natürlich schnell gefasst. Ich versuche es. Ich versuche mich drei Monate so zu ernähren wie es der Autor vorschlägt und schaue mir an ob es hilft. Gestartet habe ich vor drei Wochen – ein „Soft-Einstieg“ wie ich das nenne. Ich brauche immer etwas Zeit damit auch wirklich so eine Veränderung in mein Leben einbinde und erlaube mir am Anfange ein oder zwei Fehltritte. Die ich zwar bitter bereut habe, aber ab dieser Woche ist dann Schluss mit der Testphase

Was darf ich essen?

Fleisch
Vor allem weißes und mageres Fleisch – wie Hühner- Putenfilet oder auch mageres Rindfleisch. In meinem Fall heißt es, dass unser Bauer und ich werde wohl gute Freunde.

Fisch
Am besten fettreicher Fisch der weniger belastet ist und am Anfang der Nahrungskette ist: Sardinen, Makrelen, Sardellen, Hering und Lachs. Also eigentlich jeder Fisch den ich nicht wirklich mag gg

Eier
Freilandeier vom Bauern nebenan. Davon darf ich essen wie viel ich will.

Milchprodukte
Nachdem Milchprodukte nicht wirklich zur menschlichen Nahrungskette gehören, sind diese Produkte als „Genussmittel“ zu betrachten. Das ist gut. Ich bin nicht so der Milchjunkie.

Gemüse
Alles was ich will und immer mit etwas Olivenöl damit auch die Vitamine aufgenommen werden.

Obst
Same, so viel ich will aber immer ohne Zusatzstoffe.

Nüsse und Samen
Am Besten Walnüsse, Macadamianüsse, Haselnüsse, Pistazien und Mandeln aus ökologischen Anbau. Keine gesalzenen Produkte aus den Supermarkt.
Nüsse sind das wichtigste in meiner Handtasche geworden.

Gewürze
Die ersten Monate wenig würzen und vor allem keine Chilischoten, Cayennepfeffer oder Paprikapulver verwenden. Grundsätzlich ist die Wissenschaft noch nicht sicher was noch nicht ganz so gut für den „heilenden“ Darm ist. Aber Kurkuma soll ich überall hineingeben. (Das fällt mir gar nicht schwer)

Hülsenfrüchte
Linsen, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Erdnüsse und Sojabohnen. Dürfen auf den Teller. Wirklich wichtig – mit diesen Nahrungsmitteln vertreibt man auch definitiv den Hunger.

Getreide
Nicht auf den Teller darf: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Karmut und Einkorn. Genauso wie alle Mehlprodukte von diesen: Pasta, Couscous, Brözchen, Zweiback, Kekse. Quinoa und Mais sollten auch vermieden werden. Auf den Teller darf aber: Reis, Buchweizen, Amaranth, Millert-, Sorghum- oder Foniohirse und Teff (Zwerghirse)

Als Kohlenhydratlieferant sollen außerdem Süßkartoffel, Maniok, Taro, Yamswurzel und Pastinaken auf den Teller. Dafür gestrichen werden Kartoffeln – das fällt mir echt nicht leicht.

Fette
Oliven, Rapsöl, Macadamia- , Lein-, Haselnuss- und seltener Walnussöl sind erlaubt. Bis auf Leinöl kann man mit den anderen auch kochen. Frittieren ist so und so vorbei.

Getränke
Am besten Wasser ohne Kohlensäure und das mehr als genug. Nicht nur wenn man Durst hat. Kaffee darf man zwischen den Mahlzeiten trinken (Hurra) dafür sollte man Tee mäßig trinken weil viele Teesorten Fluor beinhalten.

Der Autor empfiehlt keine „glutenfreie“ Produkte aus dem Supermarkt zu kaufen da sie jede Menge Maismehl, Reismehl und andere Kohlenhydrate enthalten die einen sehr hohen glykämischen Index haben.

Also eigentlich heißt es: Selber kochen und damit werde ich euch in den nächsten Monaten mit ganz vielen weizenfreien Rezepten beglücken 🙂

Und wie gehst dir nach den ersten drei Wochen?

Ich hatte zwei mal Schmerzen: Einmal habe ich Chips gegessen und das zweite mal Kartoffeln – das war eben die „Testphase“. Ansonsten geht es mir unglaublich gut. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten Jahren es mir jemals so lange gut ging. Vegan war super allerdings hatte ich da nur einige Gerichte die super waren und bei anderen hatte ich – für mich damals aus unerklärlichen Gründen da ich ja „glutenfreie“ Produkte zu mir genommen habe – ein ungutes Gefühl oder Schmerzen im Darm.

Bei den ersten Einkäufen wurde ich dafür öfter enttäuscht. Dass Zucker ein Thema bei der Lebensmittelherstellung ist, war mir klar. Aber wo überall Weizen ist, ist erschreckend. Meinen geräucherten Lieblingstofu musste ich von der Einkaufsliste streichen – das schmerzt. Überhaupt musste ich feststellen, dass ich so gut wie keine Produkte kaufen kann die schon verarbeitet wurden. Aber gut – ich nehme diese Challenge an

Ich habe das Gefühl, dass wenn ich diese drei Monate durchziehe sehr viel über über meinen Körper lernen werde. Und darauf freue ich mich!

Wer sich anschließen mag: Nur zu! 🙂