Energiegeladen wegen der vielen Freizeit zu Weihnachten sitze ich und schmiede Pläne was sich alles im neuen Jahr ändern wird. Ich werde schlanker, ich werde mehr Sport machen, mehr ins Theater gehen, mehr Freunde treffen, effizienter arbeiten, werde keinen Alkohol mehr trinken, mindestens 3 Mal die Woche zum Sport gehen, werde jeden Tag meinen Schreibtisch aufräumen, meine Unterlagen besser sortieren, meine Buchhaltung frühzeitig abgeben, meine Schuhe jede Woche putzen, meine Hochzeitsfotos endlich einkleben, mich mehr um den Garten kümmern, öfter Dankeskarten schreiben, regelmäßiger zur Kosmetikerin gehen, öfter Mal ein neues Kochrezept probieren.…

Die Liste wird länger und länger. Warum ich das gerade mache, weiß ich eigentlich nicht so genau – naja, ich habe Zeit und irgendwie kommt ja das neue  Jahr. Das einzige was ich mit 100%iger Sicherheit über diese Liste weiß, ist dass ich sie in spätestens drei Wochen mit viel schlechtem Gewissen anstarren werde und wahrscheinlich meinen Unmut mit einem oder zwei Aperol Spritzer meine Kehle hinunterwürgen werde.
Das war ich vor ein paar Jahren.
Und ich habe das immer wieder gemacht. Es gibt diesen tollen Spruch: “Wer klug ist, macht den gleichen Fehler nicht zweimal“. Wenn man so will, war ich besonders „deppat“. Ich denke, wenn ich diese Zeilen schreibe, finden sich unter Umständen viele wieder.  „Im neuen Jahr wird alles anders“, „Nächsten Monat mache ich alles anders „ „Am Montag ändere ich alles“… ich glaube da bin ich nicht alleine. Eine Unart die wir Menschen uns –  vor allem zu Neujahr – von diversen Frauenmagazinen einreden lassen, die daneben auch noch unser Horoskop für das nächste Jahr abdrucken in dem wir steinreich, wunderschön, 100% geliebt und brav sind. Dabei  – wenn wir uns ehrlich sind, ist es ja so: Alles was Du nicht unmittelbar in dem Moment änderst, in dem Du es feststellst, ist anscheinend nicht wichtig genug geändert zu werden. Weil sonst würde man es nicht weiter so machen wie bisher. Oder?  Was nicht Prio 1 hat, wird sich nicht ändern und solange ich es nicht als dringlich erachte meine Hochzeitsfotos einzukleben, werde ich es auch nicht tun oder ich werde einfach hie und da mal daran denken, bevor ich was wichtigeres zu tun finde. So sieht es zumindest bei mir aus.

Warum Vorsätze nicht funktionieren

Man macht sich eine riesen Liste und möchte das dann alles besser machen. Alles. Da ist nicht eine Sache, auf die man sich konzentriert sondern 5, 10 oder gar 20 Dinge die man verändern möchte. Am Besten gleichzeitig und auch gleich Morgen – schließlich ist am 1.1. des neuen Jahres alles anders. Das ist definitiv zu viel und wenn wir es objektiv betrachten würden: unmöglich. Veränderungen – egal ob es jetzt darum geht 3 mal die Woche Sport zu machen oder einfach jeden Abend die Kleidung in den Kasten zu räumen – kosten Energie. Man muss sie in den Alltag einbauen, man muss sie beachten und man muss sich darauf konzentrieren. Egal was ich in meinem Leben verändern mag, das braucht Zeit – man sagt sogar muss man Dinge ca. 8 Wochen wiederholen ( täglich!)  damit es wirklich ein Teil des Lebens wird und es so gut wie automatisch gemacht wird. (Solange es nicht automatisch passiert, würde ich es nicht als Änderung sehen) Wenn du 2017 5 Kilo abnehmen möchtest – gut! Dann setze alles auf diese Karte, aber versuche nicht noch daneben deine Wohnung ab jetzt  jeden Tag picobello sauber zu halten, drei Mal die Woche ins Theater zu gehen, deine Haare jeden Tag anders zu frisieren, usw. Das wird die ersten drei Wochen gehen, aber dann wird dir die Puste ausgehen und dann wirst du enttäuscht sein warum du das nicht kannst. Nimm dir einfach weniger vor.

Realistisch sein und bleiben

Wir arbeiten alle, wir versuchen alle irgendwie gut auszusehen, unsere Wohnungen in Ordnung zu haben, uns weiterzubilden, unsere Freunde zu sehen , etwas zu erleben. Unser Leben bringt schon eine Menge Aufgaben mit sich – und da ist es egal ob wir 20, 30 oder 60 Stunden im Büro sitzen. Wenn ich was verändern möchte, muss ich realistisch bleiben. Man kann einfach nicht alles was man sich wünscht in den Alltag einbauen. Bei mir ist es so, dass ich wahnsinnig gerne mich wieder regelmäßig auf das Pferd schwingen würde. Wirklich. Am Liebsten so wie es mal war nämlich so 3- 5 mal die Woche. Egal wie man es dreht und wendet, wären das pro Woche zwischen 12 bis 20 Stunden die ich irgendwo anders einsparen müssten. Ja klar, ich kann morgen nur mehr 4 Stunden schlafen, nur mehr „on the go“ essen und meine Freunde nur mehr in der Gruppe sehen, aber ganz ehrlich: Am Ende müsste ich mich fragen ob das dann alles überhaupt noch Spaß macht. Oder ich streiche etwas anderes aus meinem Kalender: Aber da ist nichts was 12 bis 20 Stunden erübrigen würde.

Was ich damit sagen will: Man muss bei seinen Veränderungen einfach realistisch bleiben und abwägen ob einem das wirklich so wichtig ist, dass man auf andere Dinge verzichten  möchte. Und wenn man nicht bereit ist auf andere Dinge zu verzichten: Ist es dann so wichtig?

Eines nach dem Anderen

Schritt für Schritt. Wer so ungeduldig mit sich selbst ist, wie ich, kann das fast nicht. Ich gehöre zu denen die am liebsten das Trainingspensum einer gesamten Woche an nur einem Tag  machen würden – furchtbar ungeduldig. Ich brauche immer Ergebnisse und wenn ich keine sehe, war ich früher schnell enttäuscht. In der Zwischenzeit habe ich mich da etwas diszipliniert, aber ich neige dazu in meinem kopf nicht ein „gleich“ sondern ein „am besten gestern“ zu haben. Wichtig bei Veränderung ist dass man jeden Tag einen Schritt macht. Ganz egal was für ein Schritt, aber ein Schritt und konsequent dran bleibt. Nicht ungeduldig sein, sondern einfach einen Schritt nach dem anderen machen. Bis es keine Kraft mehr kostet. Erst dann ist es so, dass diese Veränderung in deinem Leben Platz gefunden hat. Und dann kannst du dich vielleicht auf eine nächste Veränderung, die nächste Herausforderung konzentrieren.

Das Prinzip Willenskraft –  funktioniert womöglich anders als du denkst…

Wer kennt das nicht? Man steht 2 Stunden am Stepper, macht ne Stunde noch andere Übungen und zwei Stunden später findet man sich mit der Schokolade auf der Couch wieder. Während man voll diszipliniert zum Fitnesstraining gegangen ist, hat sich gerade die Willenskraft deaktiviert und macht alles gleich wieder zunichte. Nach den ersten Stücken macht sich das schlechte Gewissen breit und man ärgert sich. Menno! Einigen Menschen passiert das nicht , warum? Das hat mit Willenskraft zu tun. Derzeit lese ich ein ganz gutes Buch zu dem Thema. In diesem wird unter anderem auch thematisiert , dass Willenskraft sich „aufbraucht“. Nachdem Willenskraft im Gehirn vor sich geht, hat man bei verschiedenen Studien nachweisen können, dass der fehlender Treibstoff im Gehirn die Willenskraft schwächt. Das Ergebnis: Man greift zur Schokolade, lernt doch nicht am Abend, greift zur Zigarette, usw. Abgesehen davon dass man seine Willenskraft nicht überstrapazieren sollte, macht es deswegen Sinn nach dem Training z.B. eine Banane zu essen – damit man nicht drei Stunden später die Tafel Schokolade isst, oder nachdem man sich zum Lernen gezwungen hat, einen Orangensaft zu trinken bevor man sich ins Fitness Studio schleppt. Um nur einiges zu nennen.

Und was mache ich jetzt mit meiner Vorsatzliste?

Verbrennen, shreddern, in den Müll werfen. Nimm dieses Ungetüm und gib es weg. Es gibt sicher DIE eine Sache die du in deinem Leben ändern möchtest. Konzentriere dich auf diese. Wenn du in 6 Monaten draufkommst, das du doch etwas anderes ändern magst, dann kannst du es ja machen. Aber wenn du wirklich mit Erfolg Veränderung in deinem Leben herbeiführen möchtest, dann solltest du eines nach dem anderen machen. Just do it!

 

Happy 2017!

 

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3 comments

  1. Weise Worte liebe Viki! Ich glaube auch, dass die meisten eben daran scheitern, alles gleichzeitig erreichen zu wollen. Wenn dann funktionierts nur Schritt für Schritt 🙂

    Hab gerade lachen müssen als ich deinen Blogpost Titel (bei Blogheim.at) gesehen hab – ich hab heute nämlich einen Artikel zum ziemlich gleichen Thema gepostet – nur meiner ist eher ein Spaß-Post geworden 😉

    Alles Liebe

    Lisa
    von http://lililovely.com

  2. Liebe Viktoria,
    ersteinmal ein frohes neues Jahr und ein Dankeschön für deinen Beitrag zu den lieben Vorsätzen…Du hast es treffend beschrieben – alles,was man nicht sofort zu ändern bereit ist,wird man auch nicht verändern,weil es einem eben nicht wichtig genug erscheint.Damit hast du wohl völlig recht!
    Mich würde interessieren,wie das Buch zum Thema Willenskraft heißt,denn es klingt interessant.
    Herzliche Grüß,Sarah

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