Woher kommst Du?
Auch wenn das aufgrund meines Aussehens niemand annimmt, aber ich bin deutsch. Bei Castings wird mir das oft nicht abgenommen, das ist lustig. Mein Buch ist daher auch auf internationale Maerkte zugeschnitten, in Deutschland arbeite ich aufgrund meines markanten Aussehens weniger.

Wie war Deine Kindheit?
Meine Kindheit? Ich war ein kleines glueckliches Spaghettimonster, das von vielen Freunden umgeben war und immer mit mindestens einer Katze unter dem Arm durch die Gegend lief. Es hat sich also im Wesentlichen nicht viel geaendert 😉

Wie und wann hast Du mit dem Modeln begonnen?
Das Schicksal brachte mich zum Modeln. Im Alter von 17 Jahren entdeckte mich Sylvia Leifheit, die Inhaberin der Agentur Most Wanted Models in Muenchen. Dieser Moment war der Beginn eines neuen aufregenden Kapitels meines Lebens und ich bin sehr dankbar in die professionellen Haende von Most Wanted Models gekommen zu sein. Most Wanted Models wurde meine erste Agentur und bis heute ist unser Verhaeltnis sehr freundschaftlich.

Bei welchen anderen Agenturen stehst Du unter Vertrag?
Danke an Most Wanted Models fuer meinen Start ins Modelbusiness. Seitdem werde ich von Agenturen weltweit vertreten und bin non stop gereist, heute vertreten mich Agenturen in Usa, Europa, Asien, Suedafrika und Ozeanien. Der einzige Kontinent, der also noch fehlt, ist die Antarktis, was eventuell daran liegen mag, dass es dort mehr Pinguine anstelle von Agenturen und Bookern gibt haha…

Was hast Du lieber: den Catwalk oder Fotoshootings?
Laufsteg ist magisch. Du bist gluecklich fuer diesen Moment und dieser Moment ist dein Leben. In meiner Modellaufbahn bin ich sehr viele Shows gelaufen, fuer viele bekanne Namen wie zBsp. Roberto Cavalli, Blumarine, Alberta Ferretti, Guess und viele weitere Namhafte. Mein erster Job in Mailand war fuer das bekannte italienische Modehaus Etro. Dennoch ziehe ich print work vor, die kreative Teamarbeit fasziniert mich und mit jedem Bild schafft man etwas fuer die Ewigkeit.

Ist das Leben als Model, wie es Du Dir erwartet hast?
Nein, der Beruf des internationalen Models ist ganz anders als man sich das vorstellt. Es erfordert sehr viel mehr harte Arbeit, Flexibilitaet, Disziplin und Willensstaerke um sich zu behaupten. Man muss einiges einstecken koennen und dennoch motiviert und freundlich bleiben, Kritik wird nicht immer sachlich formuliert. Desweiteren ist all das sehr viel unglamouroeser als man sich das vorstellt, die stundenlangen Metrofahrten zu Castings, frueh morgens und spaet abends sich zu Jobs zu bewegen, das Zusammenleben in einfachen und eher beengten Zimmern. Man kann das sehr gut mit dem Beruf eines Leistungssportlers vergleichen. Modeln ist ein eigener Lifestyle, was natuerlich auch seine Vorteile hat- man kann viele interessante Kontakte knuepfen, kommt viel in der Welt herum und muss mitten im Leben stehen, lernt sehr frueh sich zu behaupten und wird schneller erwachsen. Wenn man seine Zeit richtig zu nutzen weiss, kann man viele Kontakte knuepfen und Querverbindungen in der Branche knuepfen, was ein Einstieg in viele Berufe der Mode oder gesamten Showbranche bieten kann. In all den Jahren bin ich haerter geworden und habe sehr viel dazugelernt, so schlief ich etwa einmal einige Wochen lang auf dem Fussboden und ging morgens zu Jobs & Castings.

Das letzte Geschenk das du fuer jemanden gekauft hast?
Ein selbstgeschriebenes Buch voller Zitate und Episoden welches ich gerade als Geschenk fuer eine gute Freundin fertigschreibe…

Hast Du ein Lieblingsbild von Dir?
Es sind mehrere Aufnahmen, die ich meist mit tollen Momenten und Erinnerungen verbinde, wie etwa die Magazinaufnahme in der Galleria Vittorio Emanuele Due in Mailand, wir shooteten nachts in der menschenleeren Galleria, die Atmosphaere war magisch und das ganze Team super zuvorkommend und nett. Diese tolle Stimmung hat dem Shooting all ihre Energie gegeben. Dann das Bild aus New York, auf dem ich auf einem Hochhaus im East Village stehe und schreie, die Fotografin und ich hatten uns so gut verstanden, dass wir waehrend des Shootings Witze machten, sie fing an mich anzuschreien und ich schrie zurueck: ‚Ich bin so froh, wenn ich dich nie wieder sehen muss‘, was natuerlich absolut ironisch gemeint war und sie fing diesen Moment ein. Bei diesem Shooting entstanden auch viele lachende Bilder, alles Schnappschuesse gluecklicher Momente. Heute sind wir gut befreundet. Ein weiteres Lieblingsbild ist die Magazinaufnahme mit Ring im Mund und generell die ganze Serie, es verbluefft Fotografen oft bei Castings und ich kenne kein anderes Model mit aehnlichen Aufnahmen. Die Magazinaufnahme auf weissem Kies mag ich auch, sie hat etwas sehr surreales und es war super schwierig trotz Sonneneinstrahlung die Augen geoeffnet zu halten. Und natuerlich alle Grafiken und Illustrationen, die mir talentierte Menschen geschenkt haben- ich liebe Kunst! Besonders hat es mir die Illustration der Kuenstlerin Sugar Power angetan, wir besprachen das Bild lange und sie fuegte all die Symbole die mich charakterisiern ein- einen schwarzen Panther, meine Violine, die Skyline von New York…

Erfolgsgeheimnis?
Ich sehe nichts und niemanden als Konkurrenz 😉

Deine Posen und Ausdrücke ändern sich rasch- kann man das von Natur aus oder ist das „nur“ Übung?

Als ich anfing, war ich recht schuechtern, was auch Posen und Ausdruecke beeinflusst hat. Mein Ziel ist es jedem Bild Charakter zu verleihen. Als Model moechte ich es erreichen, Charakter zu beweisen, ueber Schoenheit laesst sich sowieso streiten. Oft verwickle ich auch den Fotografen oder jemanden aus dem Team in ein Gespraech, das hilft mir und die meisten Ausdruecke sind natuerlich. Oft bucht man mich fuer Editorials gerade aufgrund der Posen und Audruecke, die ich im Buch habe.

Was magst Du am meisten vom Leben als Model?

Das Unvorhersehbare, was dem Ganzen eine gewisse Spannung gibt. Aufgrund der Schnellebigkeit der Branche werden die Karten staendig neu gemischt, niemand weiss was, oder wer morgen Trend sein wird. Es dreht sich viel darum mit dem richtigen Management zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, was wiederrum aber auch heisst dass jede Chance einmalig ist, daher ergriffen werden muss und nicht wiederkommt. Wenn also morgen Karl Lagerfeld an der Tuer klopft, werde ich ihm besser die Tuer aufmachen und ihm eine Cola light anbieten haha…

…was am wenigsten?
Generell kann ich mit Arroganz, Abgehobenheit und Snobismus wenig anfangen. Jeder Mensch sollte anderen Respekt und Menschlichkeit entgegenbringen. Kritik ist in Ordnung, solange sie nicht beleidigend, respekt- oder wuerdelos ist. Generell sollten besonders junge Maedchen zukunftsorientiert gemanagt und nicht nur fuer kurze Zeit benutzt werden. Ob Modeln ein Beruf fuer Minderjaehrige ist, darueber laesst sich streiten. Bemuehungen, wie die neuen Richtlinien bezueglich der London FashionWeek die ein Mindestalter festlegen, befuerworte ich.

Was machst Du normalerweise wenn Du beim Make-up bist oder wenn Du auf den Start der Show wartest?
Manchmal stelle ich mich auch schlafend und erschrecke danach den Make-Up Artist, das ist immer ein riessen Spass haha

Gibt es jemanden bestimmten in der Branche mit dem Du gerne arbeiten würdest?
Es gibt noch so viele mit denen ich gerne zusammenarbeiten wuerde, etwa Vincent Peters, Costas Avgoulis, Carine Roitfeld, Sandra Weimar, Donatella Versace und Zena Holloway. Und natuerlich Karl Lagerfeld…

Hast Du ein paar Tipps für Newcomers? Was ist wichtig am Anfang der Modelkarriere?
Jedem Newcomer wuerde ich raten, auf den eigenen Verstand zu hoeren und sich nicht fremdbestimmen zu lassen. Zudem seine Meinung klar behaupten, ein Nein muss als solches akzeptiert werden, sich zu nichts ueberreden lassen. Desweiteren auf Limits und Signale des Koerpers hoeren und sich nicht unter Druck setzen lassen. Finger weg von Drogen und exzessiven Partys. Schulabschluss ist ein Muss.

Hast Du Geschichten aus dem Backstage Bereich oder irgend eine andere Sache die Du gerne mit uns teilst?
Da gibt es einige!
Einmal hatte ich ein Show Fitting fuer einen beruehmten franzoesischen Designer! Da das Fitting abends stattfand, kam ich direkt von einem Magazin Shooting, trug mein normales Outfit des Tages bestehend aus einem Shirt mit dem Gesicht Karl Lagerfelds und meine schwarze Lederjacke, kombiniert mit schwarzen Shorts. Die Klienten aus Paris sassen tres chic in der Font Row und wir Models standen in einer Reihe vor ihnen, probierten Haute Couture Kollektionen an und liefen. Waehrend wir von allen Seiten beobachtet wurden, lief alles gut, bis ich mein Lederjacket ausziehen musste um ein Kleid zu probieren. ‚C’est Karl Lagerfeld??‘, hoerte ich sie schreien und auf Franzoesisch fluchen. Sie liessen mich den Laufsteg einige Male rauf und runter laufen waehrend sie aufgebracht mein Shirt diskutierten. Die Situation geriet voellig ausser Kontrolle und die restlichen Models standen geschockt in einer Ecke. Nach diesem peinlichen Moment wurde ich sofort gefeuert, zum Glueck lachte meine Agentur ueber diesen Vorfall, aber ich musste mir diesen Witz wochenlang anhoeren und werde nie wieder ein Karl Lagerfeld Shirt vor einem franzoesischen Klienten tragen ausser vor Karl Lagerfeld selbst.

Modelagentur:

1st Option Model Management / Copenhagen, Denmark (www.1stoption.dk)

Fashion Cult Models Management / Athens, Greece (www.fashioncult.gr)
Heffner Management / USA (www.heffnermanagement.com)
Joy Model Management / Milan, Italy (www.joymodels.com)
und weitere weltweit

Maße:

Größe:                1.81
Kleidergröße:      36
Brust:       83
Taille:      57
Hüfte:      90
Haare:     rot
Augen:    grün
Schuhgröße:   41



Liebe Sussan, Vielen Dank für diesen ehrlichen und netten Einblick in Dein Leben als Model!

LG
Modeltalk

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