Girlboss Selbständigkeit als Blogger

„.. und , was machst du so?“ „Ich blogge.“ „Aha, aha… worüber?“ „Über Lifestyle Themen“„Damit kann man Geld verdienen?“ „Ja, ich mach das nicht nur- habe eine Agentur, aber grundsätzlich kann man damit genug Geld verdienen“ … „Aha.“

Wer solche Gespräche kennt, der kennt auch das beklemmende Gefühl das man bei den ersten Small-Talks hat, wenn man als Blogger gefragt wird was man so macht. Wenn die eigene Arbeit abgewertet wird und in einem komischen Ton gefragt wird, ob man damit überhaupt sein Leben finanzieren kann (oder ob das jemand anders tut), hat das Gespräch automatisch einen bitteren Beigeschmack. Dabei ist es egal ob man nun sein Leben mit einem Blog finanziert oder mit dem Bau von Modellflugzeugen: In dem Moment wo der Beruf nach viel Spaß klingt, wird man nur mehr halb so ernst genommen. Ganz egal was die Chiaras und Dorés dieser Welt mit ihrem Blog geschaffen haben und was man selbst bis dahin auf die Beine gestellt hat. Bloggen ist (noch) kein gängiger Beruf und was Vollzeit-Blogger so tun, ist noch nicht wirklich in der Öffentlichkeit angekommen. Zumindest nicht die Business-Seite der Blogs mit der einige Blogger sehr gut verdienen. Noch werden Blogger in Österreich nicht als das wahrgenommen was sie wirklich sind: Medien, toughe Selbständige, Meinungsbildner die ihr Hobby und ihre Träume zum Beruf gemacht habe und damit erfolgreich sind. Aber das kommt sicher noch.

Aber wie ist es so als Selbständige mit einem Blog? Und geht das überhaupt? Was muss man darüber wissen? Ein paar Antworten zu Fragen, die ich oft gestellt bekomme.

Mit meinem Blog selbständig machen, geht das?

Ohne meinem Blog, hätte ich mich nie getraut in die Selbstständigkeit zu starten. Meine Einnahmen über den Blog waren 2012 so, dass ich auf jeden Fall mein Leben finanzieren konnte. Ich hatte die Sicherheit darüber, dass ich zumindest meine Wohnung, Essen, Versicherungen und die übrigen wichtigen Dingen bezahlen konnte. Mehr ging aber damals nicht. Vor allem weil ich daneben ja noch 40 Stunden gearbeitet habe und damit nicht die Zeit hatte mich mehr mit dem Blog zu beschäftigen. Nach dem Entschluss zur Selbständigkeit wusste ich aber auch, dass mich mein Blog nicht zu 100% erfüllen würde und habe mich daher gleich dazu entschlossen meine Energie in eine eigene Agentur zu stecken und mir damit eine zweite (heute die erste) Einnahmequelle verschafft. Mit etwas mehr Arbeit auf dem Blog, konnte ich am Anfang meiner Selbständigkeit etwas mehr verdienen und während ich mit der Agentur den ersten Kunden an Land gezogen habe, hatte ich auch keinen Stress meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Damals waren bezahlte Blogger Kooperationen nicht so selbstverständlich wie heute. Dafür hatten die Agenturen aber auch nicht so viel Auswahl und man hat schnell einen Auftrag an Land gezogen. Heute ist es umgekehrt, was aber nicht heißt, dass man mit einem guten Blog nicht gut verdienen kann. Trotzdem braucht man erstmal die passenden Zugriffszahlen um auch Geld verlangen zu können und das muss man sich clever aufbauen und erarbeiten. Wer glaubt, man ruft einen Blog ins Leben und wird über Nacht davon Leben können, wird wahrscheinlich bitter enttäuscht. Also lieber mal als Hobby starten, wachsen und zum richtigen Zeitpunkt den Blog monetarisieren.
Es gibt kaum eine bessere Art sich langsam an die Selbständigkeit heranzutasten als mit einem Blog.

Selbständig, was bedeutet das dann für mich?

Jede die sich selbständig macht, sollte eines beherzigen: Ohne jeglichem wirtschaftlichen Basiswissen, wird es sehr hart. Vor allem dann, wenn man noch nicht viel mit dem Blog verdient. Wer seine Buchhaltung nicht selbst machen kann, die muss sich den Buchhalter erstmal leisten können. Wer sich nicht selbst ausrechen kann, was sie mindestens verlangen muss damit am Ende auch was übrig bleibt, wird auch schnell Probleme haben. Und wer glaubt Selbständigkeit ist ein Spaziergang und ein Blog macht immer Spaß, wird auch an ihre Grenzen stoßen. Wenn das Hobby zum Beruf wird, muss einem klar sein, dass das Hobby auch etwas „entzaubert“ wird. Aus dem „Kann“ wird oft ein „Muss“, aus „mal kreativ“ ein „ständig kreativ“, aus „ich mach das so und so“ ein „die Zielgruppe will genau auf diese oder jene Art“. Das kann ganz schön nerven. Aber genau aus dem „Hobby-Eck“ muss der Blog dann raus. Es ist ab diesem Moment wo man es hauptberuflich betreibt kein Hobby mehr, sondern ein Geschäft das mit viel Zeit, Aufwand und Energie verbunden ist.
Was du können solltest? Das gleiche wie jemand der sich sonst als Einzelunternehmer selbständig macht: Die Grundlagen aus Buchhaltung, Finanzen, Marketing, PR Projektmanagement und Sales. Dazu gehört noch eine Portion Unermüdlichkeit, Faszination und ganz viel gute Nerven. Sobald es mal läuft, kannst (und sollst) du viele dieser Dinge abgeben – bis dahin heißt es aber reinbeißen, Fehler machen und lernen. Wer sich jetzt fragt ob man sich diese Dinge alle selbst beibringen kann, bekommt von mir ein eindeutiges Ja! Wenn es um die eigenen Träume geht, kann man alles lernen. Und es gibt Bücher zu jedem Thema. Außerdem muss man nicht alles selbst durchkauen sondern kann auch andere fragen – wie z.B. mich 🙂

Wie Geld verdienen?

Eine Frage die ich mir bei meinem Blog sehr oft gestellt habe. Das Geld verdienen auf einem Blog ist gar nicht so einfach. Nicht weil man nicht genug Werbeflächen hätte, sondern weil man es ja nicht zupflastern möchte. Wer aus jedem Blogpost einen gesponserten Beitrag macht, der wirkt irgendwann nicht mehr authentisch. Wer über Presseevents schreibt, triggert zwar den Stalker bei seinen Lesern, aber generiert keine neuen Unique User. Und wenn es sich bei jedem Post um Outfits dreht und diese mit Affiliate Links füllt sind, birgt dies die Gefahr, dass dies irgendwann nicht mehr gelesen wird. Schwierig ist ja nicht das Geld selbst (Mögliche Quellen findest du hier) sondern wie man das Ganze so gestaltet, dass man genug verdient und nicht eine dieser „Linkschleudern“ wird, die keinen Leser mehr interessiert. Überlege dir also gut wie du Geld verdienen kannst und vergiss dabei nicht: Deine wichtigsten Stakeholder sind deine Leser und Google 😉 Wenn du diese zwei gut „servicierst“ wirst du auch viele Leser haben. Diese wiederum machen dich auch für deinen Kunden interessant.

Ich will es wissen, was tun?

Durchatmen, hinsetzen, nachdenken und zumindest folgende Fragen stellen:

  • Welche Arten von Werbung möchte ich auf meinem Blog?
  • Wie viele Leser habe ich? Wie viele brauche ich mindestens um X Euro / Werbung verlangen zu können? Wie kann ich das erreichen?
  • Wie viel Geld brauche ich um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten inklusive der SVA, Gewerbeschein, Versicherungen, usw.?
  • Wie viele Werbeflächen/Posts muss ich dann im Monat verkaufen? Ist das realistisch?
  • Wie mache ich meine Buchhaltung und wer kann mich da unterstützen?
  • Gibt es eine zweite Geld-Quelle für mich? Z.B. als Freelancer
  • Bei welchen Themen könnte ich an meine Grenze stoßen? (Sales, Marketing, Buchhaltung) Wie kann ich die überwinden?
  • Was passiert, wenn es nicht klappt? Habe ich eine Exit-Strategie / Plan B?
    Usw.

Das sind nur einige der Fragen, die man sich in meinen Augen selbst stellen und durcharbeiten sollte. Ganz wichtig: Ehrlich zu sich selbst bleiben und die rosarote Brille abnehmen. Es kann ernüchternd sein zu sehen, dass man womöglich mit der eigenen Idee keinen finanziellen Erfolg haben wird. Noch schlimmer ist es aber im Nachhinein festzustellen, dass man sich übernommen hat und diesen Übermut abbezahlen zu müssen.

Wer noch besser vorbereitet sein möchte, beschäftigt sich der Erstellung eines Business-Plans. Ich bin grundsätzlich keine Freundin davon so etwas zu erarbeiten – für die meisten ist es Zeitverschwendung. Aber dabei kommen sicherlich viele Fragen ans Licht, die einem bei der Entscheidungsfindung ob man sich mit seinem Blog oder auch einer anderen Idee Selbständig machen soll weiterhelfen.

Auch wenn ein Blog „easy“ klingt, am Ende ist es ein Business das den Gewinn erwirtschaften muss, den man benötigt um sein Leben zu bestreiten– und hoffentlich noch viel mehr.

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19 comments

  1. Liebe Viktoria,
    ein wirklich toller Post. Ich finde auch, man sollte nur einen Blog haben, wenn eine wirkliche Passion dahintersteht. Sonst kommt doch der Blogger Burn-out auch richtig schnell. Ich blogge nun seit vier Jahren und mache das nebenberuflich. Viele junge Blogger fragen mich immer als Erstes, wie sie Geld verdienen können, wie sie zu Events kommen und wie sie sich gleich selbstständig machen können. Als ich angefangen habe zu bloggen, war da noch Passion dahinter, heute will jeder irgendwie nur Fame, Goodies und auf Instagram sagen „ich war auch bei dem Event“. Ich glaube, man muss auch ins Bloggersein reinwachsen. Mit der Zeit lernt man einfach sich selbst zu organisieren, Timings zu setzen, sich selbst zu motivieren und irgendwann hat man genug Skills angesammelt um sich selbstständig zu machen. Auch wenn ich jetzt meine Haupteinnahmen nicht durch meinen Blog erhalte, so konnte ich dadurch so tolle Connections knüpfen und Jobs an Land ziehen, dass ich mich dennoch selbstständig machen konnte.

    Bussi

    Marta

    1. Liebe Marta, Du sagst es! Man muss hineinwachsen und es aus vielen verschiedenen Seiten lieben lernen 🙂
      Apropos: „Blogger Burn-Out“ – darf ich das bei einer meiner nächsten Artikel verwenden? 😉

      Bussi
      Viki

  2. Hallo Viktoria,
    einen wunderbaren Artikel hast du hier geschrieben, der aus meiner Sicht endlich mal deutlich realistischer ist als viele andere „Geld-verdienen“-Blogposts. Dass aus dem Hobby dann ein Business wird – daran denken viele einfach nicht und wundern sich dann darüber, dass sie so einen Erfolg haben wie andere. Toll finde ich auch die konkreten Fragen, die man sich stellen muss. 🙂

    Beste Grüße

  3. 🙂 Super Post, liebe Viktoria.
    Aber mit dem ganzen Google-Kram hab ich’s nach wie vor nicht.
    Ich kann nicht ersehen, wer, wie, wann, was. Das macht das schwierig.
    Noch mehr, wenn man sich jede Minute dafür stehlen muss, weil man einen Fulltimejob hat, der alle Rechnungen bezahlt – nicht der Blog.
    Das ist die Krux.
    Ich bin auf Deinen nächsten Workshop gespannt.
    Herzliche Grüße .-)

  4. Liebe Viki,
    ich liebe deine #girlbossat-Beiträge. Die sind so wunderbar motivierend, dass man seine Träume gar nicht aus den Augen verlieren kann – danke dafür 🙂

    Liebe Grüße
    Kathie

  5. Liebe Viktoria, toller Post, er beantwortet viele Fragen. Die meisten Leute, die sich nicht mit Blogs beschäftigen, können gar nicht verstehen, dass man damit wirklich seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Den Satz ‚Du bloggst, also.‘, habe ich such schon so oft gehört und kann das Gefühl sehr gut nachempfinden. Da muss man einfach darüber stehen, der Erfolg gibt einem am Ende des Tages ja Recht 😉
    Alles Liebe,
    Sarah

    http://www.liebreizend.com

  6. Liebe Viktoria!

    Ein sehr hilfreicher Post. Ich finde es klasse, dass du einen Realitätsbezug hergestellt hast. Leider ist es nicht so einfach mit der Selbstständigkeit, auch wenn das Bloggen viel Spaß macht. Aber es steckt nicht nur der Spaß dahinter, sondern auch die aufwändige Arbeit und die trockene Auseinandersetzung mit der Buchhaltung – die du auch angesprochen hast. Wie du schon gesagt hast, es ist ein Business und man muss die gleichen Dinge machen, wie in einem anderen Unternehmen auch. Ich muss sagen, mein wirtschaftliches Wissen ist ganz okay. Ich habe das Glück, dass meine Schwester bei einem Steuerberater arbeitet und mir auch weiterhelfen kann. Zusätzlich habe ich Wirtschaftskunde als Teilbereich in meinem Studium dabei und ich hatte in der Schule 5 Jahre lang BWL und Rechnungswesen. Trotzdem treibt mich das manchmal auch ganz schön in den Wahnsinn und es ist einfach zäh und trocken, gehört aber dazu. Darum finde auch ich das Basiswissen essentiell. Und BWL ist etwas, das man sich auch autodidaktisch beibringen kann, weil es im Endeffekt nur eine Auswendiglernerei ist. Zur Not gibt es ja auch noch die WKO 🙂

    Ich persönlich betreibe meinen Blog nebenberuflich. Doch das war nicht der Grund, warum ich angefangen habe, zu bloggen. Bei mir stand damals meine Liebe zum Schreiben und zur Fotografie dahinter. Das ist auch heute noch so. Ich finde, wenn man diese Leidenschaft hat, sollte man es gleich lassen. Zum Bloggen gehört viel Liebe und nicht nur das Ziel, damit (viel) Geld zu machen. Leider geht es heutzutage oftmals nur mehr um Fame und Erfolg, was ich sehr schade finde.

    Vollzeitbloggerin zu sein, ist bestimmt ein Traum. Ich würde lügen, wenn mir dieser Job nicht auch gut gefallen würde. Diesen Traum würde ich auch gerne leben. Aber ich bin bereits sehr zufrieden, dass ich das Bloggen zu meinem Nebenberuf machen konnte. Außerdem liebe ich mein Studium und ich freue mich auch auf meinen zukünftigen Job (Lehrerin), auch wenn ich immer Journalistin werden wollte und das Bloggen mir dadurch eine wunderbare Alternative bietet. Ich glaube nur, dass ich einfach nicht mutig genug wäre, um mich voll und ganz selbständig zu machen. Momentan habe ich auch noch nicht die Reichweite dazu. Aber wer weiß, wie sich mein Blog noch im Laufe der Zeit entwickelt 😉

    Besonders gut finde ich außerdem, dass du darauf aufmerksam gemacht hast, dass man als selbständige Bloggerin nicht nur noch ausschließlich Sponsored Post schreiben sollte. Authentizität ist einfach so wichtig und deswegen sollte man auch „unentgeltlich“ kreativ bleiben, wie ich finde. Denn das macht die Liebe zum Bloggen doch aus.

    Liebste Grüße
    Lisa

  7. Da werde ich gleich noch motivierter, den Hintern hoch zu bekommen. 🙂
    Ich konnte es mir nie vorstellen, irgendwann selbstständig zu sein. Aber ich will so viel mehr von meinem Leben, als mir ein einfacher Bürojob bieten kann.

    Daaaanke für die tollen Tipps, Viki. 🙂

    Love, Kat
    von http://sevenandstories.net/

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