Vor fast vier Jahren habe ich nach langem hin und her überlegen meinen tollen Job an den Nagel gehängt, meine echt süßen Kollegen verlassen und habe beschlossen meinen Traum nachzugehen. Ein Traum der mit viel Selbstzweifel, durchgearbeiteten Nächten, einigen Fehlern, missglückten Versuchen, irregeleitetem Vertrauen, .. und vor allem mit ganz viel Selbstfindung und viel Freude dabei zu tun hat. Sein eigenes Unternehmen aufzubauen bedeutet nicht einfach „mal was zu schaffen“. Es bedeutet sich selbst zu erschaffen und dabei ständig selbst zu erfinden – denn mein Unternehmen, das bin ich – mit meinem Know-How und meinen Assets, mit meinen Grenzen und meinen Zielen die weit über diese Grenzen hinausgehen. Heute möchte ich euch einen Einblick über meine Gedanken zur Selbständigkeit geben und den einen oder anderen Tipp der euch bei der Entscheidung für oder gegen die Selbständigkeit helfen soll.

my company – my work – my problems

Unternehmerin zu sein, bedeutet die Arbeit Nachhause zu nehmen und für alles Verantwortlich zu sein. Alles. Was als Angestellte mit „Da ist die Kollegin zuständig“ abgetan werden kann, geht nicht mehr. Egal wie viele Mitarbeiter man hat – die Chefin trägt immer die Verantwortung. (Es gibt Unternehmerinnen die das anders versuchen, aber das kommt einfach beim Kunden furchtbar an.)
Ich bin in einer Unternehmer-Familie groß geworden. Ich glaube derzeit ist (fast) kein einziger meiner nahen Verwandten in einem normalen Angestelltenverhältnis. Die Gene meines erfolgreichen Großvaters haben uns allen eingepflanzt, dass wir Unternehmer sind, oder besser gesagt „dass wir es besser wissen als die anderen, was man selbst zu tun hat um etwas erfolgreich zu machen“ – zumindest ist es bei mir so. Ich glaub ich war ne gute Angestellte solange man mir die Verantwortung 100% übertragen hat. Ich war aber eine miserable Angestellte ab dem Zeitpunkt wo man mir gesagt hat was ich wann und wie genau zu tun habe. ( Da schreit mein Inneres: „Ich bin ja kein Hund!“)

Selbständigkeit ist in meinen Augen etwas für Menschen die nicht darauf wert legen 5 Wochen Urlaub im Jahr zu haben, denen es egal ist bis 2 Uhr morgens 7 Tage die Woche zu arbeiten, die den Anruf des Kunden um 23 Uhr auch annehmen und die wenn der Kunde Lila und Grün auf seiner Webseite haben möchte, keine emotionalen Probleme bekommen. Man darf Selbständigkeit nicht mit Freiheit verwechseln. Man mag Freiheit haben wann man die Dinge macht, aber man hat keine Freiheit ob man sie macht – ganz im Gegenteil: Den Luxus als selbständige Aufträge abzulehnen oder mit Menschen nicht zu arbeiten muss man sich hart erarbeiten. (Wobei ich muss ehrlich sagen: Ich hatte bisher einmal nur den Fall wo ich das Gefühl hatte dass ich mit jemanden nicht arbeiten möchte, und das hat sich von selbst erledigt. Ich glaube das spürt das Gegenüber genauso wie man selbst, wenn es nicht „passt“)

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Learning the hard way

Als Selbständige muss man sich eines ganz groß auf die Stirn schreiben „Gute Freunde, strenge Rechnung“. Und dabei geht’s nicht nur ums Geld bei dem es uns einfacher fällt es einzufordern. Da geht’s auch um Arbeitsleistungen, um Freundschaftsdienste , usw. Auch wenn uns Frauen schwer fällt ( warum auch immer) zu sagen was man will: Tue es! Ruhig und besonnen, aber sag es! Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Du musst nichts geben. Aber wenn du gibst, dann überlege dir genau was du dafür nimmst und kläre ab ob dein Gegenüber das möchte. Und wenn nicht, ja dann eben nicht. Man muss nichts tun und manchmal sind die besseren Wege nicht die direkten Wege. Darüber sollte man sich immer während der Selbständigkeit im klaren sein. Und wenn man seine Meinung mit der Zeit ändert. Auch gut! Du sparst Dir und auch anderen Zeit indem Du klare Worte findest.
Dort wo man finanziell abhängig ist, kann man oft nicht „Nein“ sagen weil man ein Dach über den Kopf braucht und was zu essen. Wenn es um unbezahlte Projekte geht, sollte man ganz klar deklarieren was man will – alles andere ist vergeudete Zeit. Und das muss ich mir selbst auch immer wieder sagen. Wer, wie ich dazu neigt, gerne anderen zu Helfen kommt da schnell sonst ins strudeln und hat keine Energie für die bezahlten Dinge.

Live who you want to be

Ich erlebe jeden Tag ganz viele Selbständige. Die meisten in meiner Branche sind recht besonnen, muss ich sagen. Aber manchmal klappt etwas nicht wie man möchte. Die Webseite für den Kunden wird nicht so wie man will, die Grafikerin wird krank und man braucht Ersatz, der Kunde zahlt nicht, usw. Zum Alltag einer Selbständigen kann sehr viel Unvorhergesehenes dazukommen. Die Frage ist dann nur: Zuckt man aus, schreit man durch die Gegend oder bleibt man ruhig und findet eine Lösung? Mit solchen Enttäuschungen muss man umgehen lernen. Vor allem finde ich, dass niemand anderer Schaden davon haben sollte  wie Partner, Freunde, Familie, andere Kunden. Man muss sich da einen Weg finden. Ich bin da sehr radikal. Jedes mal, wenn so etwas passiert, sichere ich mich mehr ab und definiere für mich wie ich in Zukunft mit sowas umgehe. Aber vor allem lebe ich mit der Ansicht, dass manche Dinge im Leben einfach schiefgehen – man muss das Beste daraus machen. Und man muss sich bewusst entscheiden. Wenn ein Kunde nicht zahlt: Gehe ich zum Anwalt oder belasse ich das? Wenn die Grafikerin krank wird: Zucke ich jetzt 15 Minuten aus oder verschaffe ich mir in den 15 Minuten Ersatz? Usw. Selbständig bedeutet sich selbst sehr nah zu sein, bei sich zu bleiben und vor allem Leistungsorientiert zu sein. Sag den Befindlichkeiten Adé und bleibe Dir selbst treu!

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Do what you love & progress

„Ich will reich werden“ – Ich auch 😉 Aber das sollte nicht das sein mit dem man sich Selbständig macht. Das Ziel „Reich werden“ hat zwar seinen Reiz, aber das kann man auch erreichen indem man reich heiratet oder erbt. Das ist aber nicht das Ziel einer Selbständigen. Zumindest sehe ich das so. Fühlt man sich als Entrepeneur möchte man mit dem was man tut weiterkommen und sich weiterentwickeln. Die Augen offen halten, neues Trends erkennen, usw. Man ist auch bereit sein „Baby“ zu verlassen, wenn es ein anderes „Baby“ gibt das mehr hergibt. That’s the game. Wahrscheinlich ist es dieses „Game“ was einem die Sorgen um den Cash-Flow und die durchgearbeiteten Nächte so schmackhaft macht. Man spielt gerne, man geht gerne Risiken ein und man denkt sich öfter am Tag „Mut kann man nicht kaufen“. Man tut Dinge nach reiflicher Überlegung, aber man entscheidet schnell – schneller als Andere. Wichtig ist, dass man in Bewegung bleibt und sein Unternehmen und sich immer weiterentwickelt. Wer mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass mir Vertrieb Spaß machen könnte, den hätte ich den Vogel gezeigt. Heute merke ich, dass es ein Bereich ist den ich furchtbar spannend finde. Jedes mal, wenn ich ein Vertriebsgespräch habe, spüre ich in mir eine furchtbare Anspannung die aber nach 2 Minuten zu ganz viel Spaß führt. Ich springe über meinen Schatten und ernte ein Glücksmoment dafür. Und so lerne ich immer mehr mich zu kennen und meine Stärken auszubauen – mein Unternehmen wächst da mit mir. Bekannterweise wächst man ja an seinen Herausforderungen.
Wichtig ist  – meiner Meinung nach- dass man grundsätzlich sich ein Geschäftsbereich aussucht, welches einem leicht fällt. Dort ist man erfolgreich. Dort wo man die Zeit und sein Herzblut hineinsteckt, wo man das Gefühl hat die Zeit verrinnt und einem leicht von der Hand geht. Was nicht heißt, dass es nicht anstrengend ist 😉 Für mich ist es Online Marketing und alles was damit zu tun hat. Internet ist mein Zuhause, sozusagen. Online Strategien mein Vorraum, Blogs mein Wohnzimmer, Weibi mein Schlafzimmer, Content meine Küche, Spread & Social Media mein Wohnzimmer, Konzeption mein Büro, Visuelle Inhalte mein Arbeitsraum, meine Werkstatt ist das Kreativzentrum und das Gästezimmer meine Workshops, Trainings und Lifestyleblogger. Ich liebe mein Zuhause und möchte es nicht missen – egal wie viele durchgemachten Nächte und grauen Haare es mir noch bringen wird 😉

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14 comments

  1. Wow, toller bereichender Beitrag. Ich selbst habe mich im letzten Jahr dazu entschlossen ab 2016 meine Selbstständigkeit zu starten und ich könnte mit diesr Entscheidung nicht glücklicher sein. Natürlich kann ich nach einigen wochen noch kein so umfassendes Fazit ziehen, freue mich aber auf mein Abenteuer Selbstständigkeit.

    Liebst, Elisa von http://www.elisazunder.de

  2. Ich hab mich ja erst selbständig gemacht und finde Deinen Bericht dazu jetzt wunderbar passend. Danke für diese Worte. Einiges davon werde ich definitiv im Hinterkopf behalten!

  3. learning the hard way…ja, ja, das ist wohl ein wunder punkt bei vielen…
    ich hab einerseits eine buchhandlung – da ists leichter – bücher kosten überall gleich viel… – aber ich kenn die probleme, da ich auch ein sehr großes netzwerk – http://www.business-mamas.at – habe, wo genau dieses thema immer wieder ein großes ist… – fein aufbereitet der artikel – herzliche gratulation!

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