Dear unfair agency – you suck! Für mehr Ehrlichkeit im Influencer Business

8 Jahre Bloggen – ich habe schon viel erlebt. Ich habe immer Ruhe bewahrt – ich kenne das als unterbesetzte Agentur: Phasenweise schwimmt und schwimmt man – manchmal so sehr, dass man gar nicht mehr weiß, ob man dem Blogger die Produktprobe schon geschickt hat und sie zur Sicherheit doppelt schickt. Bei größeren Agenturen ist es manchmal so, dass eine Kollegin die das sonst macht gerade krank ist, der andere Kollege sich Karenzzeit genommen hat und die Chefin sich den neuen Tesla kaufen möchte – also kein Budget für mehr Arbeitszeit. Letzteres verstehe ich zwar nicht, aber ich akzeptiere alles. Ich zähle mich auch zu den verständnisvollsten Menschen auf der Welt – weil ich aus meinem tiefsten Inneren so bin. ABER es gibt immer den Moment, wo es dann zu viel wird. In dem man beginnt sich Fremd zu schämen, weil eine „Influencer Marketing“ Agentur glaubt sie wäre cleverer als ich ( als Bloggerin) und weil die gleiche Agentur um ihren Gewinn aufzubessern mein Budget als Bloggerin kürzt. Da höre ich dann Begründungen für Budgetkürzungen wie „weil der Kunde, es so will“ oder „weil wir auch nichts bekommen“. Ich nehme es hin. Gut, dann machen wir es das nächste Mal. Und dann spreche ich mit dem Kunden – zufällig bei einem Event – sage noch wie toll die Agentur ist mit der sie arbeiten (weil ich was von Fair-Play halte und ganz sicher nicht nach Kunden meiner Partneragenturen keile) und komme drauf, dass nicht der Kunde weniger zahlt, sondern die Agentur ihren Gewinn auf meine Kosten verbessert und mir dafür ins Gesicht lügt- REALLY?!?! – WHY? 

Im nächsten Atemzug schreibe ich mit einer Agentur die mir kein Konzept zuschickt aber unbedingt mit Influencern arbeiten möchte. Ich schicke ihnen eine Kostenübersicht – damit sie wissen, was auf sie zukommt. „Ja, alles klar“ ist die Antwort. Ich arbeite bei der Konzeption mit – stundenlang werden Emails geschrieben ob das oder jenes gemacht wird. Und dann kommt – wenn alles ready ist – die Nachricht „Wir haben kein Budget.“ –  REALLY WHY?

Und wenn ich dann in meinem Posteingang weiterscrolle und die nächste Email ansehe, erklärt mir die Agentur eines StartUps das gerade 2,3 Millionen Euro Investment bekommen hat das es kein Budget für die Kooperation gibt aber, dass sie mir gerne ein Produkt um 50 Euro (EK wohl irgendwo in den 8 Euro) zur Verfügung stellt. Aber nur eines. Ich solle aber ein Blogpost schreiben. (Ein PR Sample ist dazu da, dass ich ÜBERHAUPT meiner Arbeit nachgehen kann, just saying. Wer authentische Meinungen haben möchte, sollte auch ein Produkt nicht als Bezahlung sehen – es ist nämlich keine.) Und ich verstehe, dass das nicht bedeutet, dass sie „flüssig“ sind, aber Kommunikation ist alles und man kann durch Ehrlichkeit allen viel Ärger ersparen.

Vor ein paar Wochen hat dann noch ein StartUp den Vogel abgeschossen, weil sie meinten, ich könnte ihnen doch „Influencer Marketing“ mal gratis ein paar Wochen zum Testen machen. (Ja, wirklich! Ich habe diese E-mail ungefähr 100 mal gelesen um sicherzugehen, dass die Dame das wirklich meint. Vor allem kam genau 30 Minuten davor eine Presseaussendung, dass ihr Produkt gerade bei einer der größten Handelskonzerne gelistet wurde…..)  – WO BIN ICH HIER?

 

Unfair Agency: Muss das sein?

Wir haben alle langsam (hoffentlich!) gelernt, dass es das einzig wichtige auf dieser Welt ist klar zu kommunizieren, was man will & was man hat, dass das Leben sich um Geben und Nehmen dreht, dass es sowas wie Karma gibt, dass es ein WIR gibt im Mensch-sein, usw. Ich glaube zumindest, dass die westliche Welt langsam wieder dorthin zurück muss. Die egozentrischen Zeiten der 90er und 00er gehend gehen den Bach runter weil die Welt sozialer werden muss um zu überleben. Zumindest sehe ich das so und ich glaube (korrigiert mich wenn es nicht so ist) ich bin nicht die einzige, die das so sieht und sich nach einem ehrlichen & klaren Miteinander sehnt. Wir haben es alle satt, verarscht zu werden – ALLE. Von der Politik, von den Unternehmen, vom Chef, von der Nachbarin, von der Freundin – ganz egal. Wir wollen alle Ehrlichkeit durch die Bank. Ob wir sie vertragen, ist was anderes, aber wir fordern sie ein – weil man wissen möchte woran man ist. In Zeiten wo Begriffe wie „Social Business“ Hochkonjunktur haben, sollte es doch möglich seine social business manners auch in den kleinsten Unternehmen zu leben? Oder nicht? Das heißt, mit den Kunden und Partnern ehrlich zu sein. Mit denen Klartext zu reden – ihnen Einblicke zu geben, die Möglichkeiten aufzeigen und bei branchenfremden Ideen auch mal „Nein“ zu sagen, weil sie keinen Sinn machen.

 

Klarheit im Business – Wie geht das?

Ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass ich und meine Ehrlichkeit nicht immer gut ankommen. Wenn ich dem Kunden sage „das macht keinen Sinn es so zu machen. Ich kann das so nicht durchführen, da sie sonst danach nicht glücklich sein werden“ kann es passieren, dass er/sie sich jemanden anderen holt der meint, dass „es macht Sinn“. Die meisten kommen dann einige Zeit später wieder zurück mit der Erkenntnis „das macht keinen Sinn“. Das ist so. Das tut weh, ist eine Watsche an mich selbst, weil es oft Kunden sind mit denen ich unbedingt arbeiten will. Aber viel schlimmer wäre es, jemanden vorzugaukeln, dass etwas funktioniert, um ihm beim Ergebnis in die Augen zu schauen und zu sagen „es hat nicht funktioniert“ und das mit der von Anfang an bestehenden 100% Gewissheit, dass es nicht funktionieren kann. Ich habe diese Situation als Kunde, als ich noch auf der anderen Seite stand, mal erlebt: Da sitze ich bei einer großen Agentur mit einer Kollegin deren Agentur ihr ein ein Online Spiel eingeredet hat (das nie so funktionieren hätte können) und  mich mitgenommen hat um als Expertin dabei zu sitzen. Als die Kritik kommt, weiß der Geschäftsführer nichts Besseres, als seine Miene zu verändern,  als ob gerade jemand gestorben wäre und in einer perfekt inszenierten  NLP- 2-Minuten-Stille ein „Das hätte nicht passieren sollen.“ von sich zu geben. Dem folgten weitere 2-Minuten-Stille … während er die Mitarbeiterin, die zum Termin zitiert wurde und nichts mit dem Projekt zu tun hatte, böse anstarrte, damit wir glauben, sie wäre das Problem. Diesem Schauspiel zuzusehen war nicht nur beschämend , sondern ich habe mich auch 10 Minuten nicht entschieden können, ob ich jetzt weinen oder losbrüllen soll vor Lachen – die Lächerlichkeit war unfassbar. – REALLY? Wie unehrlich ist das bitte? Kann man nicht sagen „Ja sorry, ich habe Mist gebaut? “

 

Eine Ode auf mehr Ehrlichkeit im (kreativ) Business

 

Liebe Business-Owner, Agentur-Fuzzis, Macher &  Co – Hört doch damit auf! Was ist bloß mit euch los? Ihr hintergeht euch, eure Kunden, euer Business & verhaltet euch genau so, wie ihr euch wahrscheinlich nie verhalten wolltet. Ehrlichkeit erfordert Mut, keine Frage. Aber man kann doch nicht alle immer so halb (oder ganz) übers Ohr hauen wollen. Macht euch und eure Kunden & Partner glücklich, weil ihr ehrlich seid und vor allem seid ehrlich zu euren Kooperationspartnern und uns Bloggern. Denn die arbeiten genau einmal mit euch, wenn das nicht in Ordnung ist.

 

Ein erster Schritt wär es einfach bei der nächsten Kooperationsanfrage E-Mail mal Dinge Fragen zu beantworten wie:

 

  • Wenn kein Budget vorhanden ist, dann will ich das in der ersten Email wissen
  • Wenn ihr mir was anderes als Geld anbieten könnt, dann sagt es
  • Wenn ihr nur XY Budget habt, dann gebt es zu
  • Wenn ihr den Wert eines Blogpost kennt dann bietet doch zumindest den Gegenwert an. Wenn es nicht geht, dann sagt es doch gleich ( wir haben auch keine Zeit zu verschenken!)
  • Wenn ihr wisst, dass ihr meine Fotos auch noch nächstes Jahr für Print & Co verwenden wollt, dann sagt mir es (ja, ich werde das Angebot dann anpassen – aber macht ihr was gratis?)
  • Ein Briefing anzuhängen wäre ein Hit – wirklich! Wenn du mir Sicherheit gibst, dann gebe ich dir Sicherheit

 

Es ist doch nix dabei. Man ärgert sich doch nur wenn man Zeit irgendwo vergeudet .. und das ist für alle Seiten so! Ich möchte wissen woran ich bin als Bloggerin und du als Agentur-Wunderwuzzi möchtest wissen, was du bekommst für deinen Kunden – also lass uns auf Augenhöhe miteinander arbeiten!

 

 

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7 comments

  1. Ich finde es super, dass du dich immer wieder für Ehrlichkeit und Fairness im Business einsetzt! Ich lese solche Posts sehr gerne, weil ich auch schon die eine oder andere Erfahrung gemacht hab (in anderen Bereichen). Man müsste noch viel mehr dafür sensibilisieren, dass es eben moralische No-Gos im Business gibt. Das bringt allen anderen Bloggern auch was. In diesem Sinne: danke für den wichtigen Blogpost!
    Liebe Grüße, Sylvia

  2. Du sprichst mir aus der Seele!
    Ich hatte letzte Woche erst eine Anfrage über die ich mich wirklich gefreut habe da mir die Produkte wahnsinnig gut gefallen haben und dann kam nach der dritten Mail die Aussage das ich einen 50€ Gutschein bekommen würde! Hahaha 😀
    Lächerlich, vor allem weil das Produkt welches mich interessiert hätte 150€ gekostet hätte. Soll ich dann 100€ aus meiner Tasche zahlen damit ich über dieses Produkt berichten kann und dann noch den Onlineshop verlinken?!
    Nachdem ich geantwortet habe das, dass nicht ganz meinen Vorstellungen entspricht kam einfach keine Antwort mehr.

    LG Melanie

    1. Ja, wobei ein Gutschein nicht per se schlecht ist. Weiß nicht wie du es machst, aber wenn ich z.B. eine neue Zielgruppe ansprechen möchte, nehme ich schon auch Geld in die Hand, wenn ich es haben möchte. Ist ja dann quasi mein Blog-Marketingbudget was ich da einsetze. Und wenn man eine echt gute Conversion-Rate hat ist das mit dem No-Follow link ja super für den Shopbetreiber, aber wenn sie schlecht ist, dann hat der ja auch nix davon. Die Anfrage wäre wahrscheinlich besser mit dem Angebot mit einem Gutschein, Affiliate Marketing und mit einer gesicherten Vollbezahlung & Weiterbuchung wenn die Conversion passt. Aber das ist für viele auch zu mühsam.
      Alles Liebe
      Viki

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