Wer sich vor Gott trauen will, muss in unseren Breitengraden einen Ehevorbereitungsseminar absolvieren. Wenn man das hört ist man mal geschockt: „Was? Wer macht das?“ Als Katholikin fragt man sich kurzzeitig ob das Wirklichkeit ist, während man sich als Protestant schon eher vorstellen kann dass ein Pfarrer einem was über die Ehe erzählen kann. Fragt man seine Eltern bekommt man Horrorgeschichten erzählten, dass man sich drei Tage lang vollquatschen lassen musste oder dass man versprechen musste seine Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. Es führt aber nichts daran vorbei: vor Gott bedeutet entweder mit einem Geistlichen oder eben gar nicht – wenn es so sein soll, muss man sich eben diesen Dingen fügen. Wie auch immer- gesagt getan war unsere erste Frage an unsere Freundesrunde wo wir das am besten machen sollen – denn eines war klar: Uns drei Tage sagen zu lassen wie man eine Ehe führt, wäre uns zu viel gewesen.
Etwas Glück hat man schon wenn die beiden Partner andere Konfessionen haben:  Durch die Ökumenische Feier hat man mehr Wahl wie man die Sachen machen möchte – etwas Glück braucht man auch: Den richtigen Pfarrer findet man nicht so einfach.

Aber erstmal zu dem Ehevorbereitungskurs. Wir haben uns etwas schlau gemacht und sind in einen ökumenischen Ehevorbereitungskurs gekommen der nichts mit dem zu tun hatte, was wir nach den vielen Geschichten erwartet haben: Es war wirklich nett und hat eigentlich am Ende auch Spaß gemacht – ein Wunder!

Was haben wir gemacht?

Gleich am Anfang haben wir einen Fragebogen bekommen den wir so beantworten sollten wie der Partner ihn beantworten würde und uns danach gegenseitig vorlesen mussten (zu zweit). Das war ein Spaß und zeigt einem wie gut man den anderen kennt und wie ehrlich man sein kann. Spaß war das aber nicht für alle – spätestens bei sowas muss man sich fragen ob man den Partner auch wirklich gut genug kennt oder so wahrnimmt wie er auch ist.
Danach wurde mal gefragt was man sich erwartet, warum man überhaupt vor Gott eine Ehe schließen mag. Hier hat man bei den Paaren ziemlich stark gemerkt wer der Gläubigere ist, wie streng jemand ist & mehr. Mich hat dieser Part ziemlich zum Nachdenken gebracht. Ich hoffe wirklich ich habe mich getäuscht und mir bei manchen Paaren nur eingebildet, dass sie das eigentlich gar nicht wollten und auch keine Interesse dafür aufbringen können – Don’t do something you dont want!
Außerdem haben wir ein Ehepaar dabei gehabt, das uns von ihrer Ehe erzählt hat – Dinge die man von seinen Eltern nicht weiß, die aber eben bei langen Partnerschaften dazugehören. Wer bei den Sachen noch an eine Hollywood-Ehe gedacht hat, wird da schnell in die Realität zurückgebracht. Es war aber sehr schön mal ein Paar so offen und ehrlich sprechen zu hören und Fragen stellen zu können.

Ehevorbereitungsseminar

Wichtig bei dem Ehevorbereitungsseminar finde ich – vor allem bei der ökumenischen Trauung – dass man sich ausmacht wie der Ablauf sein soll – schließlich gibt es da auch einige Unterschiede. Wir haben beim Ehevorbereitungskurs die Unterschiede zwischen den beiden kennengelernt und das für uns ziemlich pragmatisch gelöst. Wir haben einfach auf Hostien und sonstigen Dingen verzichtet. Wenn man eine 50:50 Hochzeit hat finde ich das persönlich auch recht sinnvoll. Außerdem bekommt man mal eine erste Auswahl an Trausprüchen die man sich durchlesen kann – bis zur Trauung hat man ja dazu noch Zeit.

Am Ende des Tages kam dann noch eine lustige Challenge bei der sich Frauen und Männer trennten und aufgeschrieben haben, was sie glauben was ihr Mann von ihnen erwartet und umgekehrt. Mein Fazit: Bevor man sich irgendwelche Sachen vorstellt, sollte man eindeutig lieber direkt fragen : Beide Seiten lagen da zu 90% falsch . Das Stichwort heißt hier wohl „Klarheit“ ☺ und die kann man Gott sei Dank durch Fragen schaffen.

Alles in allem fand ich das Ganze wirklich angenehm und ich habe wirklich viel mitgenommen. Das ist natürlich nicht überall so –  also unbedingt frühzeitig schauen wo ihr den Vorbereitungskurs macht – nicht überall geht es so offen und lustig zu. Zu unserem Glück haben wir so auch unseren katholischen Pfarrer gefunden – das war für mich als Nicht-Kärntnerin eine kleine Challenge, aber im Nachhinein betrachtet ist der richtige Pfarrer wohl dann so zu mir gekommen ☺

 

Wo wir das gemacht haben:

Ehevorbereitungsseminar für evangelisch-katholische Paare, Severin-Schreiber-Gasse 1-3, 1180 Wien (9 :00 bis 17:00)

Happy Ehe-Learning!

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1 comment

  1. Oh, das klingt ja spannend! Ist es bei ech wirklich Pflicht das zu machen? Ist ja echt interessant! Sollte in Deutschland auch mal eingeführt werden, find ich! Klingt ja auch nicht so, wie man es aus Filmen kennt, dass man nur über Gott redet und Enthaltsamkeit usw. sondern auch sich und seinen Partner noch besser kennenlernt – könnte mir gefallen, auch wenn ich schon verheiratet bin – aber im Oktober geht es für uns auch noch vor Gott und das ist für uns auch der „wichtigere“ Tag – Standesamt war nur „fürs Papier“ – das ist bei uns nämlich Pflicht – bei euch auch?

    Wirst du in Zukunft mehr über eure Hochzeit und die Vorbereitungen schreiben?
    Ich versuch das immer mal wieder in meinen Blog zu integrieren und werde bei dir auch auf jeden Fall öfter mal vorbeischauen! 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Anna

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