„Die verlangt nur 100 Euro – die zerstört den Markt“ „Welchen Markt?“ „Na den der Blogger““ Es gibt einen Blogger-Markt?“ „Ja also so ein Sponsored Post Markt“ „Ah ja und wo finde ich den?“ „Viki, geh mir nicht am A** ja. Ganz wurst wo. Wenn jemand sich so billig hergibt dann zerstört er den Markt“ „Okay. Also haben alle Billig-Modehäuser den Modemarkt zerstört?“ „Viki! Hör auf“ „Na jetzt mal ehrlich – von welchem Markt sprichst du?“ „Weiß ich doch nicht – du Obergscheiti“

So und nicht anders laufen dann solche Gespräche manchmal mit mir ab. Ich bin nicht immer so nervig (glaube ich zumindest) aber ich finde solche Pauschalaussagen ganz furchtbar und als Betriebswirtin tut mir sowas etwas in der Seele weh. Für mich hat so eine Aussage wenig mit der Realität zu tun: Weil es 1. keinen allumfassenden Markt gibt und 2. jedes Angebot seine Nachfrage hat und 3. diese Nachfrage nicht nur aus einem Geldwert besteht. Genauso wie sich heute einige Blogger aufregen, haben sich jahrzehntelang die Fotografen in Wien aufgeregt, die alten Modehäuser als die Billigmode kam usw. Was war? Die, die verstanden haben damit umzugehen haben immer weiter viel Geld verdient – die die es nicht verstanden haben, sind in der Versenkung verschwunden. Und die Entschuldigung: Die Preise. Nur wenn der niedrige Preis der alleinige Grund für die Buchung einer Dienstleistung oder dem Kauf von Ware wäre, dann würde es auf dieser westlichen Welt nur mehr Mode aus Billiglohnländer geben und nur mehr Dienstleister, die um 25 Euro die Stunde arbeiten. Ist das so? Nein. Denn Preise und Markt sind etwas differenzierter als man es so darstellen möchte. Heute möchte ich euch meine Sicht der Dinge erläutern. Ein bißchen als Betriebswirtin, etwas aus meiner Erfahrung und vor allem aus unserer Erfahrung – was wir tagtäglich so erleben.

Preisgestaltung gehört zur Firmenphilosophie/ Bloggerphilosophie

„Solange Blogger was gratis machen, wird sich da nie was ändern.“ Den Satz höre ich so oft, aber im Grunde stimmt er so nicht. Eigentlich sollte es heißen „Solange Agenturen, Blogger & Co dem Kunden nicht erklären, warum was wie viel kostet wird sich nichts ändern“ Denn ob ich jetzt 0 Euro für etwas verlange oder 1000 ist meine ganz eigene Sache – genauso ob der Kunde das Angebot annimmt oder nicht – das ist sein Ding. Die einen verlangen etwas weniger um ihren Fuß in der Türe zu haben und später größere Kooperationen anzubahnen, die anderen denken sich nichts dabei und gehen mit den Preisen hinauf weil sie eh keine Interesse haben günstiger zu arbeiten. Das ist eine Einstellungssache und eine preispolitische Frage. Ob das gut oder schlecht ist muss jeder für sich entschieden. Wichtig ist ja oft das drumherum. Wenn man bestimmte „add ons“ anbietet, die andere nicht anbieten, kann man einen höheren Preis einfach besser rechtfertigen.

Ich z.B gebe bis zu einem bestimmten Preis Rabatte bei meinem Blogposts, aber ich würde nicht Rabatte geben bei meinen Social Media Community Management Preise- warum? Weil ich in der Zeit in der ich Community Management mache gezielter Geld mit Blogpost verdienen kann. Eine Entscheidung, die ich für mich getroffen habe weil ich das eine lieber mache als das andere und wirtschaftlich für mich ergiebiger ist.
Was man muss, ist seine Preise erklären. Angebote mit 1000 Euro wo nicht genau definiert ist, was man dafür bekommt sind uninteressant für jeden Kunden. Angebote für 0 Euro können genauso uninteressant sein weil man glaubt „man bekommt nichts“. Die Kunst ist es die Preise genau zu erklären und dem Gegenüber zu sagen, warum das so ist.

Ein Einblick in mein Agenturleben: Ich erlebe das ständig, dass Blogger Angebote schicken wo ich am Ende nicht weiß, was da drinnen ist und mein Kunde dann den Rückzieher macht. Egal ob der was kostet oder nicht. Um den Preis geht’s wenn man als Agentur dem Kunden die Bedeutung von Influencer Marketing / Blogger Relations erklärt hat und ein realistisches Angebot abgeliefert hat nämlich nicht unbedingt.

Preisvergleiche – WTF!

Du und auch dein Blog bist kein 10 cm Stahlnagel mit 10 cm länge 4,25 mm Durchmesser und Senkkopf der auf Ebay ersteigert werden kann. Influencer – Blogger, Youtuber, Instagramme & Co sind keine Massenware. Ganz im Gegenteil. Es gibt wenige von euch und vor allem gibt es wenige die genau zur Zielgruppe passen und auch dementsprechend eine Interaktion mit der Community zeigen. Das heißt nicht dass es nicht marktübliche Preise gibt. Wer mit 10.000 Unique User glaubt dass er €1.000 pro Blogpost bekommt wird öfter eine Absage bekommen. Der eine oder andere wird womöglich zuschlagen, aber grundsätzlich wird das eher schwer werden. Und vor allem wird man mit einer anderen Sache Probleme haben: Die Erwartungen.

Preise & Erwartungshaltung

Preise schüren Erwartungen. Wenn ich eine Tasche um 2500 Euro kaufe erwarte ich dass sie besser verarbeitet ist, als die Tasche um 250 Euro. So ist es auch mit den Blogposts: Wenn jemand mit 10.000 Unique Leser im Monat €1.000 für ein Blogpost verlangt erwarte ich mir dass das um einiges mehr Erfolg (das heißt bei den meisten Kunden: Verkäufe oder Bekanntheit) dabei herauskommt als bei einem üblicheren Preis von € 400. Wenn ich als Kunde mich auf die 1.000 Euro einlasse, dann möchte ich mehr als ich woanders um €400 bekomme. Wenn ich das nicht bekomme, dann war das eine nicht rentable Investition und damit womöglich das erstmalige „AUS“ für Influencer Marketing. Also wer jetzt viele Emails und Zeit investiert hat diesen Kunden zu akquirieren, der wird womöglich diesen Kunden nie wieder sehen. Verlange ich den niedrigeren Preis und performe ich „den Erwartungen entsprechend“, dann werden womöglich einige Buchungen folgen. Überlege dir das gut, wie du das handhaben möchtest. Wobei ich hier anmerken muss: Ich glaube €1.000 bei der Reichweite für einen Standard-Sponsored-Post werden die meistens ablehnen.

Klare Preise – viele Kunden

„Na,ja wenn eine große Firma anfragt verlange ich mehr , als wenn eine kleine Firma anfragt“ Als ich das gehört habe, hat sich mein Magen zusammengezogen. DON’T DO THAT! Man kann Rabatte geben – darüber gleich im letzten Punkt für heute. ABER man verlangt nicht unterschiedliche Preise bei unterschiedlichen Kunden. Man kann unterschiedliche Projektpreise verlangen aufgrund des Aufwandes. Aber wenn das 1:1 gleich ist, würde ich ganz schnell die Finger davon lassen. Abgesehen davon, dass es recht peinlich sein kann, wenn man dann von einem Unternehmen die Absage bekommt „Wir habe aufgrund der Informationen unserer Kollegen die für unserer neuen Marken zuständig sind, mit der Hälfte der Kosten gerechnet und müssen dir leider absagen“ kann man sich sicher sein dass wir Agenturmenschen mit unseren Freunden in anderen Agenturen und mit Kunden darüber reden. Die einzige Lösung: Ganz klare Preise.

Aus meiner Agentur-Seite: Leute von denen ich weiß, dass sie je Brand unterschiedliche Preise schicken – vor allem wenn diese massiv sind – die frage ich irgendwann nicht mehr an. Das ist auch für mich sehr schwer einzuschätzen und zu budgetieren. Wenn ich einem Kunden aufgrund des letzten gleichen Auftrages vor einer Woche sage, dass es die Sponsored-Post-Kosten auf ca €500 kommen und dann jemand €1.500 haben möchte, dann ist das für mich in Ordnung, aber auch nicht realistisch und damit – wenn nicht der Kunde darauf besteht – nicht mehr auf meiner Liste. Was ich mir wünsche: Eine klares Preis-Menü aus dem ich mir die Dinge aussuchen kann und wir dann über „Möglichkeiten“ reden.

Rabatte ahoi!

„Normalerweise verlange ich €1.450 Euro – in diesem Fall würde ich aber €400 nehmen“ Wenn dort jetzt €1250 stehen würde, würden wir es alle als Rabatt empfinden. Bei €400 Euro bekommt man das Gefühl man wird veräppelt. Wenn morgen der Supermarkt Chia Samen statt um € 14,50 um 0,40 Cent verkaufen würden, würden wir uns fragen, ob die überhaupt qualitativ hochwertig sind, ob die aus China importiert sind und ob sie vielleicht gesundheitsschädlich sind. Nicht? Ähnliche Gedanken hat man auch bei so einem Angebot.
Hier kommt wieder: Erklärung ist alles. Wobei ich davon abrate solche Rabatte in dieser Art überhaupt darzustellen. Da sollte man schon eine „Perspektive“ mitverhandeln. Wenn jemand 10 Sponsored-Posts bei einem bucht, kann man ja schon mit seinen Preisen runtergehen… so stark aber eher nicht.

Einmal 5 Dinge die wichtig sind in Sachen „Angebotslegung & Preise für Blogger“ – wer Interesse hat an einem Workshop mit mir und in diesem auch seine Preise genau definieren möchte, kann diese über Austrian Lifestyleblogger (für Mitglieder & Nicht-Mitglieder) besuchen. Der nächste Kurs findet am 22. Juli  statt. Anmelden kann man sich einfach per E-Mail an : hello@lifestyleblogger.at – Mehr infos findet ihr hier: Facebook Event.

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