„Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass uns eine andere Kandidatin mit ihren Bewerbungsunterlagen mehr überzeugt hat und wir sie deswegen nicht zu einem Bewerbungsgespräch einladen werden.“ So eine Absage habe ich während meiner Jobsuche nie bekommen. Mir hätte das aber sehr geholfen. Die meisten waren freundliche Absagen, in denen nicht mal eine Anspielung auf meine Bewerbungsunterlagen gemacht wurde. Und auch wenn ich nachgefragt habe, habe ich nie eine brauchbare Antwort bekommen, die mir helfen hätte können, meine Chancen auf ein Job zu erhöhen. Einfach weil die HR-Abteilungen dieser Welt oder die Chefs von KMUs kaum Zeit haben. Wobei wahrscheinlich nur 10 % der Menschen überhaupt nachfragen, warum sie nicht zu einem Gespräch eingeladen werden. Nach einiger Zeit, in der ich schon auf der Suche nach Mitarbeitern bin- entweder für mich oder auch für andere – muss ich sagen, dass Viele wahrscheinlich deswegen nicht nachfragen, weil sie schon die Bewerbung im Blindflug verschickt haben. Nach dem Motto „Die nehmen mich eh nicht. Ich kann das ja nicht, aber ich versuche es.“

Warum man dann eine Bewerbung abschickt ist mir Schleierhaft. Ich bewerbe mich auch nicht als Tischlerin, wenn ich nur mit einem Computer umgehen kann. Aber gut – jeder wie er es für richtig hält. Ich glaube allerdings, dass man versuchen sollte zumindest 75 % der Anforderungen aus der Ausschreibung abzudecken – vor allem die Grundqualifikationen – bei meiner Ausschreibung wäre es z.B. von Vorteil sich zumindest im Bereich Social Media auszukennen.

Ich selbst habe die klassischen Bewerbungsfehler als Studentin auch gemacht. Ich habe die Art wie ich mich bewerbe aus verschiedenen Seiten aus dem Internet gesammelt und mir etwas gebastelt. Bis ich am Ende meines Studiums war und mir ein Buch über „richtig bewerben in Großbritannien“ gekauft habe. Dort ist das Ganze etwas härter: One-Pager, die genau auf den Punkt kommen, keine Spielereien, keine Farben und schon gar keine Ausschweifungen. Das hat mir gefallen. Ich habe das in vielen Stunden Arbeit umgesetzt und hatte danach drei Praktika/Trainee-Angebote. Ich hatte plötzlich die Wahl mich für den Chef zu entschieden, der mir am sympathischsten war und die Stelle, die mir persönlich am meisten Freude machen würde – es hat funktioniert! Es ist immer gut wenn man im Leben die Wahl hat und das sollte auch für jeden das Ziel sein. Nicht immer als Bittstellerin dazustehen, sondern mehr offene Türen zu haben und die Entscheidung treffen zu können, durch welche dieser Türen man gehen möchte.

Aber nun zurück zu meinem Thema. In den letzten Wochen habe ich sehr viele Bewerbungsschreiben bekommen. Dabei ist mir aufgefallen, dass meine Fehler noch immer gemacht werden – leider. Jetzt, da ich auf der anderen Seite stehe, kann ich nachvollziehen, warum man sich keine Mühe gibt eine ausführliche Antwort zu schreiben: Man bekommt viele lieblose Bewerbungen bei denen man Zweifel bekommt ob sich die Person, die einem schreibt überhaupt selbst den Job geben würde. Und das ist die Grundfrage die man sich stellen sollte, bevor man ein Bewerbungsschreiben wegschickt:

„Wenn mir jemand Fremder diese Informationen über sich zukommen lassen würde, würde ich ihn anstellen?“

Wenn ich die Bewerbungen die ich bekommen habe ansehe, müssten 80 % der Bewerber diese Frage mit „Nein“ beantworten – erschreckend oder? Wer sich manchmal wundert, dass ein anderer den Wunschjob bekommt, sollte sich auch fragen, ob sich vielleicht der Andere mehr Mühe bei seiner Bewerbung gegeben hat.

Aber welche Dinge sind es, die falsch gemacht werden?
Viele, hier eine Sammlung an Dingen die mir aufgefallen sind:

7 typische Bewerbungsfehler

 „Anbei meine Bewerbung.“

Der erste Eindruck den man bei einem fremden Menschen hinterlässt, dem man eine Bewerbungsemail schickt, sind der Betreff und die ersten Zeilen. Der Eindruck, den man bekommt, wenn jemand nur „Anbei meine Bewerbung“ schreibt, ist ein ungeduldiges: „Da hast du!“ Als ob man einem einen nassen Waschlappen vor die Füße schmeißen würde. Schlimm finde ich außerdem, wenn hier nicht einmal eine Anrede oder eine Verabschiedung zu finden ist. Auch kein Fehler ist es, den Platz für eine komplette Signatur zu nutzen- Wir haben alle keine Zeit und so hat man die Daten schnell bei der Hand.
Und wenn man einfach Teile des Motivationsschreibens hier mit einarbeitet – ganz egal. Alles besser, als den E-Mail Kontakt mit einem Satz zu beginnen, der dem Gegenüber zeigt, dass man irgendwie „keine Lust“ hat und keine Zeit investieren möchte.

„Sehr geehrte Damen und Herren“

Als ich das jetzt ein paar Mal gelesen habe, habe ich mich schon gefragt: Ist es so schwer meinen Namen zu finden? Es zeugt von Interesse wenn man den Menschen den man anschreibt auch mit seinem Namen anspricht. Vor allem steht er bei mir auf der Webseite unter „Team“, bzw findet man wirklich schnell meinen Namen im Netz. Ich habe mir kurzzeitig schon überlegt ob ich einfach mit „Mit freundlichen Grüßen, Puppi the Feel-Good-Manager“ antworten soll. Wenn man einen Job möchte, dann findet man den Ansprechpartner heraus. Vor allem, wenn eine Stelle ausgeschrieben ist, steht dieser immer dabei. Warum spricht man den Menschen dann nicht gleich persönlich an?

Ich bin besser als sie

Was jeder Unternehmer liebt, ist ein Mitarbeiter der glaubt er könne alles besser als alle anderen – inklusive dem Chef. Ich möchte gar nicht absprechen dass jemand besser ist, aber Menschen die das schon bei der Bewerbung kundtun, sind zu 100 % nicht verträglich mit jemanden der ein Unternehmen leitet. Sich über seine potentielle Teammitglieder oder Chefin zu stellen und von oben herab zu agieren, ist in einem Team etwas furchtbares und führt statt zu „toller Arbeit“, meistens zu Stress und sinkender Produktivität – ein No-Go für eine Unternehmerin . Auffallend ist: Meistens kommt das von Menschen die sehr „selbstbewusst“ erscheinen wollen. In den meisten Fällen sind diese Leute besser aufgehoben wenn sie irgendwo arbeiten, wo sie in ihrer „ich bin besser als andere“ leben können so z.B. im Vertrieb eines Finanzdienstleisters mit Schneeballsystem. #justsaying 

Word -Dokumente

Man schickt keine Word-Dokumente raus, außer man möchte dass jemand anderer die Datei bearbeitet. Bewerbungen schickt man am besten als PDF und beachtet, dass die Dateien nicht zu groß werden. Viele Server lassen E-Mails mit Dateien über 20 MB nicht durch. Also bitte ein PDF und das auch gleich mit Namen benennen. Die Meisten, die mit Bewerbungen zu tun haben speichern diese ab – Also mache es den Leuten einfach mit dir zu arbeiten. Schon durch eine simple Sache wie der Benennung der Datei kann man positiv auffallen.

Motivationsschreiben

Ich finde hier kann man sich ruhig austoben. Und ich finde auch Rechtschreibfehler nicht schlimm (weil mir selbst auch öfter Rechtschreibfehler passieren) ABER es wäre nett, die Stelle auf die man sich bewirbt zu erwähnen und auch darauf einzugehen, was für die Stelle benötigt wird und wie man diese Anforderung abdeckt. Hier darf man ruhig ehrlich sein – je offener man mit seinen Karten spielt desto besser. Das ist meine sehr persönliche Meinung. Aber ich kann diese Standard-schreiben und die aus dem Internet kopierten Sätze (Die kenne ich, die habe ich auch gesucht als ich in meinen Twens war) nicht mehr sehen. Nachdem das doch noch Viele machen, unterscheiden sich die Bewerber dann plötzlich kaum – und nur über ihr CV, das meistens auch nicht perfekt ist. Präsentiere dich von deiner menschlichsten Seite indem du hier auch zeigst wer du bist und was du kannst, anstatt dich darauf zu verlassen, dass sonst kein Bewerber so gut ist wie du – das ist nämlich selten der Fall. Bessere gibt es immer – die Frage ist ob sie passender sind – zum Unternehmen, zur Chefin & Co

Der CV Inhalte

Ich selbst gehörte während meines Studiums zu den Job-Hoppern. Ich hatte während meiner Studienzeit ca. 10 Jobs – die einen länger, die anderen kürzer, manche parallel. Viele davon hatten mit dem was ich heute mache nichts zu tun. Andere wiederum haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin und was ich kann. Trotzdem wäre es sinnlos alle meine Jobs in mein CV zu packen. Vor allem nicht die, die gar nicht zur Stelle passen: z.B. Helpdesk Assistenz.- Das muss da nicht hinein. Genauso wenig wie das Praktikum, das man in seinen 20igern in Boston gemacht hat, wenn man sich mit 45 bewirbt – wirklich! Oft ist weniger mehr. Und wer nicht so einen langen CV hat, der kann eben durch ein gutes Motivationsschreiben punkten. Du hast zwar nur bei einer Werbeagentur ein Praktikum gemacht, aber findest Social Media toll, kannst dich kaum davon lösen und willst dort arbeiten? Ja, dann überzeuge durch dein Motivationsschreiben und durch deine E-Mail. Oft geht es auch darum seine Leidenschaft für ein Thema zu kommunizieren anstatt sich auf das zu konzentrieren was man gemacht hat.

Der CV – Look & Feel

Wenn ich Europass CVs erhalte, stellen sich bei mir die Haare auf. Nein ehrlich: Ein einfaches schwarz-weiß Dokument tut es auch. Noch besser man geht auf Creativemarket und kauft sich für 10 Dollar eine Vorlage. Obwohl das so naheliegend ist, macht das kaum jemand. Dabei spart man sich viel Zeit.
Wovon ich auch jedem abrate ist, eine sehr farbenfrohe Bewerbung zu gestalten. Wer wirklich jemanden sucht der gut ist, den überzeugt man mit dem was in den Bewerbungsunterlagen steht. Bei mir ist es z.B. so, dass ich bei der Farbe Lila einfach rot sehe *g*. Nachdem ich dies weiß, drucke ich mir lilafarbene Dinge immer schwarz-weiß aus weil ich sie lesen will, anstatt ständig zu spüren wie sich mein Inneres zusammenzieht, weil ich die Farbe nicht leiden kann. Aber jeder Mensch hat eben da eine andere Präferenz – damit man da nicht schon schlechte Karten hat, sollte man das einfach Grau/Schwarz/Weiß vielleicht Dunkelblau halten, aber das war es dann auch schon.
Mag sein, dass man als Grafiker oder in anderen kreativen Jobs da mehr Spielraum hat – das weiß ich nicht – aber in allen anderen Berufen würde ich Farben eher umgehen. Ich würde meinen, dass man bei Jobs in visuellen Branchen einfach mit seinen Arbeitsproben punktet und nicht versucht seine künstlerischen Fähigkeiten in ein CV zu packen.

Was hier noch auffällt sind schiefe und schlecht lesbare Scans und Fotos von Dokumenten. Mir persönlich ist ja der Notendurchschnitt von jemanden ganz egal. Was ich mache, wenn ich jemanden der sich bei mir bewirbt interessant finde, ist im Internet zu suchen was ich noch so finde. Ich muss einen Eindruck von dem Menschen bekommen und ob dieser Mensch überhaupt zu mir und zu meiner Agentur passt. Ob der lauter Einser hatte oder haarscharf durch seine Ausbildung gekommen ist, zeugt in meinen Augen nur davon, dass es Menschen gibt, die gut aus Büchern lernen und welche die nicht so gut lernen – thats it!

Wie auch immer: Egal für welchen Job du dich bewirbst: Gib 100 % oder lasse es. Wenn du dir nicht sicher bist ob der Job für dich interessant ist, dann ruf dort an und frage nach bevor du eine halbherzige Bewerbung abschickst und damit Zeit verschwendest – deine und die von der Person, die diese Bewerbungen lesen muss.

 

Und noch ein Gedanke aus Unternehmersicht, den viele vergessen oder verdrängen – obwohl wir angeblich in einer Leistungsgesellschaft leben:
Unternehmen müssen ca. das Doppelte was sie ihren Mitarbeitern bezahlen einnehmen, um eine „Nullsumme“ zu erreichen. Die Frage, die bei jedem Unternehmen bei der Anstellung eines Mitarbeiters steht ist also: „Bringt mir der Mitarbeiter mehr als er mich kostet“. Und genau das musst du in deiner Bewerbung bedenken. Da geht es einfach um die Frage: Entlastest du den Unternehmer oder ein Teammitglied so sehr, dass dieses Teammitglied oder das Unternehmen dadurch mehr Erfolg hat? Oder bringst du so viel mehr Erfolg, weil du mit deinen Qualitäten & Talenten einfach punktest?
Und genau davon musst du dein Gegenüber ehrlich überzeugen.

Zumindest sehe ich das so.

 

Ich hoffe euch mit meinem Input etwas geholfen zu haben und wünsche euch viel Erfolg bei der nächsten Bewerbung!

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5 comments

  1. Hallo Viktoria, super Text. Das unterschreibe ich alles. Da ich selbst über Jahre Personalauswahl für sozusagen „high potentials“ gemacht habe, hatte ich auch immer das Problem, dass echt super Leute darunter waren, aber die haben es mir echt schwer gemacht ihren USP zu finden.

    Der CV soll im Grunde einfach sein. Für den CV-Leser auf den Punkt bringen was der oder die kann. Sozusagen die USP’s – übersichtlich dargestellt mit Beweiskraft. Ich habe wirklich tolle Menschen kennengelernt, die sich durch einen unstrukturierten CV oder übertriebene Designs alles verhaut haben. Weil 90% der Personaler oder Unternehmen haben einfach keine Zeit, dass sie den CV ein zweites Mal anschauen und sich die Mühe machen den USP von einer unbekannten Person rauszufinden. Warum auch? Zeit ist Geld und es gibt ja genug die ihre Hausaufgaben gut machen und den CV für den Leser übersichtlich darstellen. Recht so.

  2. 🙂 Das hast Du sehr gut zusammengefasst, liebe Viki!
    Auch wenn ich lila liebe, weiß ich, dass mein Gegenüber die Farbe vielleicht abgrundtief hasst und vielleicht Augenkrebs davon bekommt. Deshalb würde ich sie immer neutral gestalten, denn Emoticons sind da auch total fehl am Platz.
    Liebe Grüße 🙂

  3. Ich finde das Thema mit den Bewerbungen sehr interessant und auch die Auflistung hier einleuchtend. Mir ist es schon mal passiert, dass ich aus Versehen eine Word Datei los geschickt habe, was natürlich sehr unangenehm war. Wichtig finde ich aber auch angemessene Kleidung, als Bankier sollte man sich auf jeden Fall eine Krawatte kaufen und diese auch Tragen. Aber nicht nur Krawatte kaufen ist wichtig, sondern auch sonst ein gepflegtes Äußeres. 😉

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