„Hello Selbständigkeit!“ Euphorisch starten Viele in das neue Leben als Selbständiger Das klingt gut, fühlt sich gut an – es ist neu, aufregend und vor allem „Woho! Ich kann den ganzen Tag tun und lassen was ich will!“ Abgesehen davon, dass man das nur solange kann, wie man keine Kunden hat (was ja nicht das Ziel ist *g*), kommt bei Vielen nach ein paar Monaten die Ernüchterung. Viele rudern dann wieder zurück, suchen sich einen Teilzeitjob, machen die Selbständigkeit „nebenbei“ bis es halt wirklich funktioniert. (Wobei ich hier die Frage in den Raum stelle ob ein „Nebenbei“ jemals funktionieren kann)
Weil ich das Ganze nach fast 4 Jahren ( OMG! #Herzklopfen) kenne, möchte ich euch heute ein paar Fragen mitgeben, die ihr für euch beantworten solltet, bevor ihr euphorisch abhebt. Denn was am wichtigsten an der Selbständigkeit ist, ist eine gute Grundlage und realistische Einschätzung für den Start – damit das Ganze dann auch etwas werden kann und man nicht zu Früh abhebt.

– Was genau will ich in meiner Selbständigkeit machen?

Ich glaube nicht, dass man einen Businessplan braucht, aber man braucht ein Konzept was man machen möchte und was man aufbauen möchte. Wer diese Frage mit „Ich will bloggen“ beantwortet, wird womöglich die nächsten 2 Jahre gut leben, aber was danach kommt, wird ungewiss. Ein höheres Ziel, eine Vision, eine Idee muss gefunden werden. Die kann sich jederzeit ändern. Meine Vision möchte ich hier jetzt nicht teilen, aber sie beinhaltet Dinge wie z.B. meine Influencer Marketing Agentur, meine Bekanntheit als Bloggerin,  Austrian Lifestyleblogger, ICONS, usw.
Bastle dir deine Vision für dein Unternehmen und überlege dir welche Meilensteine du erreichen möchtest.

– Wie kann ich damit Geld verdienen?

Eine Frage die, wie mir scheint, viele sich nicht richtig durchdenken. „Das Geld wird schon kommen.“ Das Problem ist aber, dass Geld nicht von selbst kommt. Wer kann, der möchte möglichst nichts ausgeben (wir auch nicht), also solange man etwas Gratis bekommt – warum soll man dafür zahlen? Und wenn man es Gratis bekommt – ist es dann etwas wert? Also genauso wie man sich beim eigenen Blog überlegt, wie man es monetisieren kann, so sollte man das auch mit allen anderen Produkten und Dingen, die man anbietet, tun. Ich habe das z.B. durch die AUGUST Academy begonnen. Ich teile wirklich gerne mein Know-How, aber ich kann mir nicht leisten alles immer „Gratis“ zu verschenken, also gibt’s für alle einen Ort wo sie die Dinge lernen, ich mich beruhigt hineintigern kann und gleichzeitig alle was davon haben. Und ich bleibe motiviert, denn ohne Gegenleistung tun wir auf Dauer alle nicht so gerne etwas. Und, wenn ich dann doch was hergeben mag, gibt‘s ein paar Tipps auf Weibi oder eben im Academy Newsletter.

– Wie viel muss ich pro Stunden verdienen, damit ich davon Leben kann? Wie viel will ich verdienen? Wie viel Urlaub will ich haben?

Ich rechne das immer gerne in meinen Kursen vor. So einfach ist es nämlich nicht. Vor allem, wenn man die Kosten im Auge behalten möchte.
Wichtig ist, dass du einmal ausrechnest, was du Netto verdienen möchtest und dann anschließend die gesamten Kosten hinzufügst, also z.B. SVA pro Monat, Betriebsunterbrechungsversicherung, die Software, die du nutzt, die Kosten von einem Büro, der Computer, das Handy, usw., alle deine Kosten müssen in diese Berechnung einfließen. Außerdem solltest du immer bedenken, dass du auch mal zum Arzt musst oder eine Geschäftsreise planst, usw. Diese gesamten Kosten musst du für ein Jahr realistisch einplanen. Vergiss dabei auch nicht die Steuern mit einzurechnen, die du je nach Gewinn auch noch beachten musst.

Im zweiten Schritt muss man sich überlegen wie viele Stunden man überhaupt zum Geld-verdienen hat – also

52 Wochen hat das Jahr
– 2 Wochen Feiertage
– 3 Wochen Urlaub
– 1 Woche Aus- und Weiterbildung
– 1 Woche Krankheit
= 45 Wochen

Wenn wir 50 Stunden die Woche arbeiten und 50% der Zeit auch wirklich verrechnen können, dann kommen wir auf 1.125 Stunden pro Jahr. Wer das jetzt mit dem Mindestumsatz dividiert, den du pro Jahr machen musst, der kommt auf einen Stundenlohn, der gar nicht so niedrig ist.

Und genau so kommst du auf das Mindeste, was du pro Stunde verrechnen musst um überhaupt davon leben zu können.

– Wie und Wo finde ich Kunden?

Der Sieg und Untergang der Selbständigkeit: Kunden. Einen neuen Kunden zu akquirieren braucht Zeit und vor allem sehr viel Vorbereitung. Die Frage ist, besonders am Anfang wie man Kunden findet, die auch bereit sind den Preis pro Stunde zu bezahlen, den man braucht. Das können Freunde sein, das können Bekannte sein, das können Fremde sein – Who ever. Es ist aber immer gut sich sein Netzwerk mal genauer anzusehen und zu schauen wer überhaupt als potentieller Kunde in Frage kommt. Auch eine gute Möglichkeit ist es seine Kundenakquise bei einem guten Freund auszuprobieren und ihn nach Feedback zu fragen.

Ein Tipp von mir: Versuche deinen ersten Kunden oder zumindest etwas woran du regelmäßig Geld verdienst schon zu haben bevor du dich voll in die Selbständigkeit begibst. Das macht es vieles einfacher. Wie schon oft gesagt: Bei mir war es der Blog und der erste Kunde, die es überhaupt möglich gemacht haben, dass ich mich selbständig machen konnte.

– Möchte ich es alleine machen oder brauche ich einen Partner?

Am Anfang wollte ich unbedingt das Ganze alleine machen, danach hatte ich eine kurze Phase, in der ich mir nicht sicher war und heute bin ich soweit, dass ich der Meinung bin: „Sollte die passende Person da sein und wollen, würde ich auch mein Unternehmen teilen”
Ich glaube, wenn man dazu nicht bereit ist, sollte man es auch nicht machen. Zu zweit ist zwar vieles einfacher, aber einige Dinge werden auch schwieriger und das sollte man sich bewusst machen. Ich arbeite dafür sehr gerne mit anderen zusammen an gemeinsamen Projekten. Nur bei „meinem Baby“ tue ich mir einfach schwer es zu teilen. Abgesehen davon dass wenn man etwas teilt gleich auch genau definiert werden sollte wer für was zuständig ist, wer wie viel verdient, wem was gehört, usw. – gar nicht so einfach

– Wie viel Zeit habe ich / kann ich es mir finanziell leisten bis es klappt?

Wer sich nebenbei ein Business aufbaut und dann langsam in die Selbständigkeit übergeht, der hat schon ein Grundeinkommen und kann so langsam die Anstellung quasi auslaufen lassen. Anders sieht es aus, wenn man noch nicht so viel verdient oder noch gar nichts mit dem verdient, was man als Selbständiger machen möchte. Da gibt es realistischer Weise nur zwei Möglichkeiten: Ich suche mir einen Job nebenbei, der alles finanziert, was ich brauche und baue mir langsam aber sicher mein Business auf, oder ich habe ein finanzielles Polster, das mich eine Zeit lang auch ernähren und meine Kosten tragen kann. Aus Erfahrung weiß ich, dass, auch wenn der Anfang super läuft, es schlechtere Zeiten geben kann. Da ist es gut auf existierende finanzielle Mittel zurückgreifen zu können. Ich habe das zum Teil mit gespartem Geld aus meiner Anstellung gemacht – und ich kann nur jedem empfehlen sich ein „Sicherheitspolster“ zuzulegen. Man weiß nie was kommt und man fühlt sich einfach besser, wenn man nicht ständig Angst haben muss, dass alles weg ist.

– Was ist, wenn es nicht klappt, habe ich ein Exit? Ist das okay?

Viele machen sich, wenn es so aussieht, als würde es doch nicht klappen, furchtbaren Stress. Das macht alles nicht nur schwieriger, sondern Stress killt auch jegliche Leichtigkeit, die man mit seiner Selbständigkeit hat. Man verliert seine Kreativität, kommt in ein Hamsterrad – das ist furchtbar. Aus diesem Grund finde ich es wichtig sich ab und zu die Frage zu stellen was man tut, wenn es doch nicht klappt. Und vor allem auch mit sich selbst auszumachen „Was heißt für mich, es hat nicht geklappt? Wenn ich kein Plus auf dem Konto habe, wenn ich 5000 Euro Schulden habe, wenn ich keine Lust mehr habe…?“ Anstatt zu glauben: „ Es muss klappen“, sollte man in meinen Augen unbedingt das „Scheitern managen“, also sich klar werden wann man gescheitert ist und schauen, dass man nicht zu hart fällt- 5000 Euro Schulden sind schnell weg, 10.000 Euro schon etwas schwieriger, 15.000 , 20.0000 …. so schnell kann man gar nicht schauen, wie sich die unbezahlten Rechnungen häufen. Es ist wichtig, dass du dir ein Exit überlegst. Scheitern ist, in meinen Augen, kein Problem, die Frage ist wie man scheitert. Nämlich so, dass man sich noch im Spiegel anschauen kann oder eben nicht. Wenn man die Gehälter seiner Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann, ist das ein furchtbares Gefühl – also lieber die Reißleine früh genug ziehen, als Menschen, für die man verantwortlich ist, in eine Notlage zu bringen – um nur eine Sache zu nennen.
Diese Strategie solltest du einmal durchdenken, annehmen und in dem Fall des Eintritts anwenden. Grundsätzlich solltest du dich aber darauf konzentrieren, dass es klappt – natürlich! Good Vibes sind immer wichtig!

Natürlich gibt es hier viel mehr Dinge, die man beachten sollte. Aber, ich finde, das sind so ziemlich die wichtigsten Punkte mit denen man sich beschäftigen sollte.