Ein schwarzer Sportwagen biegt um die Ecke vor der Oper und bleibt vor mir stehen. Er lächelt mich an, sagt „Hallo! Freut mich, dass wir uns endlich kennenlernen!“ zu mir, macht mir die Türe seine Wagens auf und ich steige ein. Ich bin ein bißchen geblendet von ihm – er sieht super nett aus, hat ein unglaublich charmantes Lächeln, aber irgendwie ist er dann doch 40cm kleiner als ich ihn mir vorgestellt habe. Ich bin ein bißchen enttäuscht. Aber während ich im Sportwagen sitze und ihm im Augenwinkel betrachte, komme ich drauf, dass es im Sitzen gar nicht mal mehr so schlimm ist – da mit dem Höhenunterschied. Ich beruhige mich langsam und denke mir, dass ich nicht so oberflächlich sein sollte und dem kleinen…. – hach Herr Gott he, ich kann nix dafür – … Mann eine Chance geben sollte. Während wir sprechen, merke ich wie wir in Richtung Heumarkt fahren – er wollte mir ja nicht sagen, wo wir essen gehen.


Plötzlich dämmert’s mir: Ich bin gerade bei einem fremden Mann (den ich im Internet kennengelernt habe) ins Auto gestiegen, weiß nicht, wohin es geht und kann auch gerade nicht einfach mal so aus dem Auto springen. Und seinen ganzen Namen weiß ich auch nicht – na super! Großartig Viki! In meinem Kopf beginnt ein Film abzulaufen: Oh Gott, meine Mutter hat doch immer gesagt, ich soll nicht in fremde Autos steigen! Er wird mich umbringen, verschachern. Irgendwo. Meine Familie wird mich suchen. OH MEIN GOTT! Mein Herz rast während mein inneres Auge beobachtet, wie der kleine Mann die Erde in den Schacht wirft in dem er mich zuvor geworfen hat. Plötzlich – wie aus dem Nichts – höre ich „Alles gut bei dir?“. „Ja, alles gut- Wo fahren wir denn hin?“ Während ich das sage, sehe ich, dass wir Richtung Autobahn fahren. Er wird mich umbringen! Ganz sicher. Ich hab ein Handy mit – aber das ist so groß, viel zu auffallend. Wenn er das dann sieht und er mich wirklich umbringen möchte, ist die Hoffnung, dass meine Hirnspinnerei gerade doch nur erfunden ist, auch weg. Ich lasse es lieber. Wir quatschen weiter. „Wo wir hinfahren ist eine Überraschung – ist das eh okay?“. Am liebsten würde ich ihn anschreien und zum Anhalten zwingen, aber irgendwie sieht er dann doch so harmlos aus. „Ja, klar.“, ich mache gute Laune während ich innerlich beginne mir zu überlegen, wie ich denn aus dem Auto flüchten könnte.


Bei wieviel km/h kann ich hier rausspringen? Gibt es eine Kindersicherung? Wo ist der Knopf?


Ich beginne mich möglichst unauffällig im Auto zu orientieren. Dann sehe ich ihn an – er sieht ja nicht aus wie ein Mörder – wäre ein kleiner Mörder. Während ich das denke, meldet sich die Stimme meiner Mutter. „Es sind immer die Unscheinbaren.“ Ich hyperventiliere innerlich, aber was soll’s! Vor dem Aussteigen werde ich das ja jetzt nicht bei 140km/h auf der Autobahn lösen. Um mich zu beruhigen, stelle ich mir vor, wie ich ihm mit voller Wucht in die Eier trete – bei der Größe werde ich das auch schaffen – und erinnere mich daran, dass ich unbedingt zur Straße laufen muss, wo die Autos fahren und nicht wie in den schlechten Filmen in den Wald: Ich habe einen Plan, das beruhigt mich. Als er die Autobahn Richtung Ungarn nimmt, denke ich mir noch „OMG – er bringt mich auch noch in Ungarn um“. Danach atme ich tief durch, erzähle ihm ein paar Stories über mich und hoffe auf die Möglichkeit die Flucht zu ergreifen während ich mir denke „Wie naiv bin ich eigentlich?“.



Als wir nach gefühlten zwei Stunden ankommen ist es stockfinster, ich sehe ein süßes Flackern an einem alten Haus – wir sind im Burgenland in einem der besten Restaurants seinerzeit, wir werden mit Champagner begrüßt. Ich brauche drei. Ich bin mit meinen Nerven am Ende. Ich hatte gerade eine Nahtod Erfahrung – ich wollte mich nicht mit Anfang 20 von einem (kleinen) Wahnsinnigen umbringen lassen. Ist auch nicht passiert, wie man unschwer erkennen kann. Der Abend verlief sehr gut, aber ich habe ihn danach nie wieder gesehen – die Erfahrung war dann doch zu grenzwertig.



Ein paar Dinge habe ich gleich mal beim Online Dating gelernt: Mami hat recht, Überraschungen sind nur von Menschen, die man zumindest schon mal live gesehen hat gut und ich steige nie wieder in ein fremdes Auto.


Online Dating – ich hatte sie (fast) alle

Meine Online Dating Erfahrung sollte nicht bei dieser Geschichte bleiben. Ich habe Websingles eine Zeit lang genutzt, aber weil es dann nur mehr um Sex ging, habe ich diese Plattform verlassen. (Nehme an, da hat sich nicht viel geändert) Ich habe mich auch nicht in bezahlten Plattformen angemeldet (dafür war ich nie verzweifelt genug – ich hätte auch immer alleine bleiben können und hätte kein Problem gehabt) Mitte / Ende meiner Twens hat mich so das Thema „Mann fürs Leben online finden“ null interessiert – in meinen Augen muss man schon mehr gemeinsam haben, als ein paar Antworten auf einem Fragenkatalog. Und damit ich auch ja nie wieder so einen „Ups, jetzt habe ich eine Beziehung“ – Moment habe, habe ich Online Dating ins Ausland verlagert – perfekt für meine Städtereisen. 😉


Wer sich fragt, was ich in meinen Onlinedating-Zeiten so für Männer kennengelernt habe – hier ein kleiner Auszug. Und ich nehme an, dass hier einige kopfnickend mit einem breiten Grinser diese Liste lesen werden – schräg ist hier nicht mal annähernd der richtige Ausdruck.


  • Den Typ, mit dem man essen geht und sich am liebsten die Suppe über das Kleid schütten würde. Frei nach dem Motto: „Jetzt muss ich leider Nachhause.“ (das waren wohl 90%)
  • Den, den man mal kurz eine scheuert, weil er glaubt, man wäre ein Selbstbedienungsladen
  • Den Kerl, der sich nur mit einem trifft, um seine Ex zu vergessen oder eifersüchtig zu machen (und dazu gleich mal ein Foto auf Facebook postet)
  • Der Egoist, der dir die Türe ins Gesicht klatscht, wenn man hinter ihm geht (Ich habe das als Absage gesehen und bin gegangen)
  • Der Typ, der getrennte Rechnungen romantisch findet (Ich zahlte dann seine und blieb sitzen)
  • Der Typ, der einfach fremd gehen möchte und dann doch sein Telefon abhebt und „Schatz“ sagt (…und Tschüss!)
  • Der Typ, der fremdgeht und dir danach sagt, dass er ’ne Freundin hat ( ..und auf nie wieder sehen – tschüss!)
  • Der Typ, der dir am Morgen danach eröffnet, dass er eigentlich verheiratet ist (… No go!)
  • Der Typ, der sich einfach mal nicht mehr meldet (… „Adieu“ kann man schon sagen – diese Memmen)
  • Der Typ, der vollkommen übertrieben nach 2 Dates so tut, als ob man die Liebe seines Lebens wäre, um dann beim vierten Treffen zu meinen „es ginge ihm zu schnell“ *g* (… ach ne wirklich?)
  • Der Typ, der enttäuscht von einem ist, weil man einfach am Morgen seine Wohnung verlassen hat, ohne zu frühstücken (… du hast nicht aufgedeckt…)


Ich denke, die Liste kann man lange fortsetzten 😉 Mir hat das Single-Leben und das Online Dating meistens Spaß gemacht, weil ich es nie so ernst genommen habe. Aber vielleicht auch, weil ich mir nie erwartet habe überhaupt den Mann fürs Leben im Netz zu finden – bzw. auch zeitweise überhaupt einen zu finden.


Meine Learnings vom Online Dating.

Es ist ja eine Zeit her bei mir, aber nachdem ich letzte Woche den Film „#Singles“den Film „#Singles“gesehen habe, (den ich an dieser Stelle nur empfehlen kann) bin ich draufgekommen, dass sich da nicht wirklich etwas geändert hat. Deswegen hier meine Learning von damals.


  1. Kein Treffen ohne Foto
  2. Kein Treffen ohne Name
  3. Lokale aussuchen, die man gut kennt & maximal Essen gehen ( Der Umgang mit Messer & Gabel ist ein eye-opener *g* zumindest bei mir)
  4. Nicht ins fremde Auto steigen 😉
  5. 80% von dem, was online kommuniziert wurde, mal nicht glauben (bei einem Treffen relativiert sich alles – immer)
  6. Mit der Einstellung gehen „Das ist ein Treffen“ und nicht „ein Treffen mit DER Liebe“
  7. Eine Freundin bitten bei einer bestimmten SMS anzurufen, um dann die Situaton verlassen zu können
  8. Als Frau musst du echt nicht für eine Nacht die Katze im Sack kaufen (really!)
  9. Wenn er nervt: Gehe! Jede Sekunde ist Verschwendung (Höflichkeit wird in manchen Fällen überbewertet)
  10. Wenn nix wird: Wenn der andere dich nicht will, willst du ihn im Grunde auch nicht. #justsaying

Was mir sonst noch über Online Dating so einfällt?

Nimm es leicht. Das wichtigste im Leben ist es, dass du mit dir selbst gut klar kommst. Ob du einen Partner findest der dich begleitet, ist im Grunde zweitrangig. Oder besser gesagt: Sobald du mit dir im Reinen bist und es sein soll, kommt er so und so. Mache dir keinen Stress, erwarte nicht, dass ein anderer Mensch dich glücklicher machen kann als du dich selbst und vergiss nie mit deinem Bauch zu atmen. Wenn du nicht weißt, was du zu tun hast, dann hör auf ihn – der hat meistens Recht 😉


Wer mehr darüber erfahren möchte und oft schmunzeln möchte, sollte sich unbedingt den Film #Single ansehen – Jasmin und ich haben so einige laute Lacher von uns gelassen. Ein perfekter Film für einen unterhaltsamen Abend und, um diese ganze Online Dating Sache ein bißchen gelassener zu sehen.


Noch was von mir: Anstatt dich hinter Smartphone und Laptop zu vergraben, um deinen Partner zu finden, nimm das Geld, das du für Plattformen zahlen würdest und schenke dir die Erlebnisse die du schon immer wolltest . In zufriedenen Momenten im Leben ist man auch offener für Menschen & lernt vielleicht dann auch den Menschen, den man sucht, kennen – ob es ein guter Freund oder der Zukünftige Ehemann ist – ist ja ganz egal. Man zieht immer das an, was man gerade braucht.



Hier noch der Trailer zum Film!

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