„Wir können ja dann einen Workshop machen….Wir machen Sales… Zwei unserer Kunden sind letztes Jahr in Konkurs gegangen – das war schon mühsam….unser Team ist von 30 auf 4 Leute geschrumpft – wir brauchen halt nicht so viel Leute… Ich habe mir eine Bank am Land genommen, weil da rufe ich einfach an und bekomme Geld…Letztes Jahr war ich nur 4 Monate da, den Rest waren wir auf Reisen….wenn man was mal verkauft hat und es nicht funktioniert, dann hat man es zumindest verkauft…“
Während ich zuhöre, freeze ich meine Mimik und lächle. Früher wäre ich aufgestanden und hätte den Menschen, der da mit mir redet einfach sitzen gelassen, aber jetzt als Ehefrau eines extrem diplomatischen Mannes, höre ich zu, nicke, lächle und hoffe, dass meine Mimik nicht gerade entgleist. Damit das nicht passiert, versuche ich über das, was ich höre nicht nachzudenken und einfach irgendwie den Termin zu überleben. Ja überleben. Meine innere Spanierin würde dem Rotzlöffel gegenüber von mir am liebsten eine scheuern. Denn er verschwendet meine Zeit und erzählt mir Dinge die ich als LETZTKLASSIG empfinde. Aber ich lasse es sacken, fahre nach Hause, erzähle meiner Kollegin Lisa davon, meinem Mann und kann, während ich die oben genannten Sätze und den Rest der Unterhaltung Revue passieren lasse, nicht fassen, was dieser Mensch von sich gegeben hat. Und in mir kommt alles hoch – ich könnte kotzen. Menschen, denen die Zukunft ihrer Kunden und anscheinend sogar ihrer Mitarbeiter wurst ist, sind für mich persönlich das Letzte und haben nicht die Verantwortung, die sie als Unternehmen tragen, verstanden. Abgesehen davon, dass ich mich frage, wie jemand behaupten kann Sales zu machen, mich als Kunden zu akquirieren versucht und mir diese Dinge erzählt. Ich schwöre, ich war paff und es hat mich ne halbe Nacht gekostet, das zu verarbeiten und mich zu fragen: „Kommt so jemand durch?“ Die Antwort ist: „Ja, leider.“ Um die Geschichte zu Ende zu erzählen: 24 Stunden später habe ich eine Auftragserteilung, einen Fragebogen wie aus dem BWL Studium (sowas habe ich im ersten Semester besser geschafft) und eine Rechnung im Posteingang. Wow! Nachdem es mir zuwider ist eine E-Mail zu schreiben, rufe ich an. Erkläre, dass ich glaube, dass ich definitiv jemanden mit mehr Erfahrung brauche und dass das Meeting nichts war (Ich war noch im Scheuer-Modus, das ist nicht gut, wenn man dann von mir was hören mag) und höre dann Sachen wie “Ja, du bist wahrscheinlich noch nicht bereit für uns.“ Ich bin paff und frage mich, wie man so jung schon so betriebsblind sein kann oder besser gesagt sich selbst so falsch einschätzen kann. Am liebsten würde ich sagen „Schatzi, schau nicht so viel Suits –  du bist nicht Harvey Specter- nicht mal sein Fußabdruck“. Aber gut, ich schweige, denn es ist nicht mein erstes Mal, dass ich in meiner Zeit als Selbständige mit Leuten zu tun habe wo mir die Haare zu Berge stehen und ich eine Runde laufen gehen wollen würde, um mich zu beruhigen.

Um im Sales Bereich zu bleiben, hatte ich eine ähnliche Story einige Wochen vorher (dazu muss ich sagen, mein Fokus liegt derzeit sehr auf Sales, weil ich selbst da recht aktiv bin und gerne Unterstützung hätte – also wenn ihr wen kennt…) Damals hat mich eine Dame angerufen, die ich kurz vorher auf LinkedIn geadded hatte. Nachdem ich mich gerade zu dem Zeitpunkt mit dem Thema „Kaltakquise“ beschäftigt hatte, dachte ich, ich höre mir das an. Sie wirkte wirklich sympathisch, durch und durch. Wirklich. Gesprächaufbau: 1A, ist super auf meine Themen eingegangen. Also jemand, der wirklich von der Pike auf gelernt hat wie man ein Salesgespräch am Telefon macht. Super. (Besser ist nur das Tony Robbins Team – really!) Ich war begeistert. Sie hatte mich fast überzeugt und wahrscheinlich hätte ich sie nach 2 Monaten nochmal angerufen, wenn sie nach meiner Absage nicht plötzlich ihr ganzes Wesen geändert hätte, die Stimmlage geändert hätte und mir gesagt hätte „Frau Egger, ohne mich schaffen sie das nicht. Sie werden noch an mich denken“. Abgesehen davon, dass sie natürlich rein aus psychologischer Sicht bei mir ein „Natürlich schaffe ich das ohne Sie! Wer glauben Sie eigentlich wer Sie sind?“ – Gefühl verursacht hat und damit ihren Lauf komplett zerstört hat, war der ganze Zauber dieser Person plötzlich weg. Um das Ganze zu untermauern: Sie wollte eine Vorauszahlung von ein paar Tausend Euro von mir.

In den letzten Jahren könnte ich da Geschichten ohne Ende erzählen. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht ein bisschen was von diesen Irren annehmen sollte, wahrscheinlich machen sie mehr Geschäft wie ich – aber ich kann nicht aus meiner Haut: Ich bin ein grundehrlicher Mensch. Lügen ist einfach nicht.

Kennt ihr solche Situationen? Wie geht ihr mit solchen Blendern um? Einfach Links liegen lassen oder doch mal die Meinung sagen?

(Nicht falsch verstehen: Ich bin echt bereit in gute Leute viel Geld zu investieren – aber das muss dann auch mindestens so viel bringen, wie ich investiere.)

 

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2 comments

  1. 🙂 Horror, liebe Viki!
    Solche Typen kenne ich auch und ich frage mich auch immer, wie sie es überhaupt so weit bringen. Aber dann denke ich mir, dass sie irgendwann ihren Meister finden und dann… 😉
    Nicht ärgern lassen. Alles findet sich. Irgendwann.
    Liebe Grüße 🙂

  2. Oh, das kenne ich leider viel zu gut. Bin zwar nicht selbstständig, aber auch im Angestelltenverhältnis trifft man solche Leute. Ich bin eher der Meinung, dass man nicht still da sitzen sollte, sondern gleich was sagen sollte. Weil: ja, sie kommen meistens damit durch; aber zumindest hab ich es ihnen gesagt – das gibt mir wenigstens das Gefühl, dass ich meinen Beitrag dazu geleistet habe, dass sie vielleicht doch 1x nicht damit durchkommen. Und: ich hab zum Glück auch schon positive Erfahrungen gemacht. Ich hab z.B. letztens einer Person das Feedback gegeben, dass es bei mir nicht gut angekommen ist, dass sie mir zu verstehen gegeben hat, dass sie glaubt, dass ich als Frau die Sache, um die es ging, nicht kann. Diese Person hat mir dann mitgeteilt, dass sie drüber nachgedacht hat und sich bei mir entschuldigt. Also, zumindest eine Person mehr die hoffentlich ab jetzt reflektierter mit ihren Aussagen umgehen wird.

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