Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich höre Vogelgezwitscher und sehe mir das Haus an in dem wir leben. Während ich es anstarre, kommen Gefühle hoch die ich nicht kontrollieren kann. Ich spüre wie sie in meinen Hals wandern, dort einen kaum auszuhaltenden Druck verursachen und mir die Tränen in die Augen schießen. Freudentränen zwischen Verwunderung und Glück. „Das ist mein Leben.“ Ich kann es kaum fassen und egal wie oft mir das in den letzten Jahren seitdem ich mit meinem Mann dieses Leben teile passiert ist, ich bräuchte jemanden der mich kurz fest zwickt und mir wirklich sagt, dass das mein Leben ist. Ich lebe das Leben und lebe es wie ich es mir in den kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können: voller Liebe, Verständnis, Achtsamkeit & Gelassenheit

Ich erinnere mich zurück an den ersten Monaten dieses „neuen“ Lebens – die waren nicht nur nicht gelassen, sondern haben in mir verursacht, dass ich ständig auf die Katastrophe gewartet habe, aufs Drama, auf das Ende, auf den Schmerz, aufs Messer auf irgendwas. Denn dieses Leben und auch die Tatsache das ich überhaupt lebe ist für mich eigentlich ein wunder und keine Selbstverständlichkeit. Es gab einige Situationen in meinem Leben in denen ich gedacht habe, dass es aus sein würde, dass ich es nicht schaffen würde. Im Nachhinein betrachtet lag mein Leben in diesen Momenten immer in den Händen anderer – die im richtigen Moment da waren, etwas für mich getan haben, mich unterstützt haben und dadurch mich aus der Situation“ gerettet“ oder sie „schaffbar gemacht“ haben .

Dafür bin ich einfach nur dankbar.

Wenn ich so genauer darüber nachdenke hat schon am Anfang meines Lebens mein Körper nach ein paar Wochen beschlossen doch nicht leben zu wollen. Ich habe meine Zunge nach hinten gegeben, die Augen verdreht und war weg. Ich habe meinem Kindermädchen die mich im Arm gehalten hat zu verdanken, dass ich überlebt habe. Bis heute hat sie Tränen in den Augen, wenn sie diese Geschichte erzählt und ich auch – aus Dankbarkeit. Ein paar Jahre später bin ich auf die Idee gekommen auf das Dach unseres Hauses zu steigen – als 5-jährige um meine Schwester vom Dach aus zu begrüßen und ihr zu zeigen, dass ich das auch – wie sie – kann. Als ich mich über das Dach lehnte um meine Schwester mit einem freudigen „ Hallo Cati“ zu begrüßen hat sie so geschrien, dass ich nach hinten gefallen bin. Ein Glück – sie hat mich gerettet. Als ich 14 war habe ich auf eine Waage mit einer Anzeige unter 40Kilo herabgesehen – „Hello Essstörung“- und wenn meine Mutter nicht gewesen wäre und ihr Kampfgeist, hätte ich wohl das auch nicht überlebt. Und wenn ich nicht die vielen Jahre während der Gesundungszeit die unglaublichsten, verständnisvollsten und liebenswürdigsten Freunde und Helferleins gehabt hätte, hätte ich wohl das auch nie hinter mir lassen können.  Wenn meine beste Freundin mich nicht täglich während dieser Zeit daran erinnert hätte auf die Uni zu gehen, hätte ich meine Ausbildung die mir heute ermöglicht das zu tun was ich liebe, daneben nie fertiggemacht.  Und ich hätte meine verschiedenen Jobs und die Ausbildung nicht unter einem Hut bringen können, wenn ich nicht diese teilweise unglaublichen Chefs gehabt hätte die mich mit viel Freiheiten rund um meine Arbeitszeit, den spannendsten Aufgaben und sehr viel Vertrauen in meine Fähigkeiten beschenkt haben. Ich habe für dieses Leben das ich lebe viel gekämpft und viel an mir gearbeitet. Eine zeitlang habe ich zu viel gek(r)ämpft was mir die eine oder andere  Panikattacke beschert hat, die mich nach einer etwas längeren „Was tue ich jetzt damit „-Phase darauf brachten, dass ich es gelassener angehen konnte und ich mich ans Leben gestalten machen konnte. Das Leben spricht mit einem. Und es hatte damals recht : Kaum hatte ich das geschafft mich wieder zu sammeln, meinen Alltag gelassener anzugehen und mein Leben so zu gestalten wie ich es wollte um das erreichen was ich mir immer erträumt hatte, ist mein Vater gestorben und hat kurz mal alles in Starre gesetzt – mit einem großen Fragezeichen „Was jetzt?“. Im Nachhinein betrachtet, frage ich mich schon was gewesen wäre, wenn mein Körper nicht solche „Stop“ Anzeichen von sich gegeben hätte und ich nicht mein Leben rechtzeitig für die neue Aufgabe geändert hätte. Ob ich dann mit der Situation überhaupt in irgend einer Art zurecht gekommen wäre ?  Aber das Leben ist achtsam mit einem (wenn man zuhört).

Zu dieser Zeit hatte das Leben schon für das beste gesorgt was ich in meinem leben  geschenkt bekommen habe: meinem Mann der  immer für mich da ist – in guten und schlechten Zeiten, wenn die Freudentränen kommen oder auch wenn mal wieder etwas im Leben passiert was mir den Boden unter den Füßen zieht.

Das Leben hält ja bekanntlich immer Überraschungen bereit.

Das Leben ist oft hart, oft ungerecht, oft fragt man sich was man getan hat, dass man wieder so eine Aufgabe bekommt, oft versteht man nicht das Timing, oft zweifelt man ob man Dinge schafft, oft glaubt man nicht einmal daran dass man die Situationen der man sich konfrontiert sieht, jemals hinter sich lassen wird können. Und gleichzeitig ist es wieder wundervoll, überraschend, zeigt einem, dass es mehr als lebenswert ist, bringt einem Freude, zeigt einen Dinge die man nicht für wahr halten kann, gibt einem Kraft und eröffnet einem Möglichkeiten an die man im Traum nie gedacht hätte.

Nach diesen ganzen Dingen ( und einigen Mehr) die ich erlebt habe glaube ich fest daran, dass man nur jene Aufgaben im Leben gestellt bekommt , die man auch schafft. Das Leben stellt einem das Werkzeug zur verfügung um diese Aufgaben zu meistern. Dazu gehören auch  Menschen die mit einem in den Höhen fliegen und einem durch die Tiefen begleiten. Manchmal sind es jene Menschen an die man nicht gedacht hat, die man erst sieht wenn man dreimal hinsieht.  Oder man erkennt erst mitten drin, dass dieser eine Mensch das Beste ist was einem zu diesem Zeitpunkt passiert ist. Man zieht sie an, dann, wenn man sie braucht. Sie sind da wenn sie am meisten benötigt werden. Und sie helfen einem die Ziele zu erreichen die man sich mit ganzem Herzen für sich wünscht.

In meinem Fall habe ich mir dieses dieses Leben voller Liebe, Verständnis, Achtsamkeit & Gelassenheit von ganzem Herzen gewünscht. Dafür bin ich dankbar und überaus glücklich – jeden Tag aufs Neue – jedes mal wenn ich darüber nachdenke. Und immer wieder aufs neue kann ich nicht fassen, dass es gerade so ist.

Ich bin glücklich und dankbar.

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6 comments

  1. Liebe Viktoria,
    beim Lesen deines Artikels habe ich eine richtige Gänsehaut bekommen – weil er so ehrlich,direkt und authentisch ist.Ich finde es mutig von dir,solche privaten Gedanken zu veröffentlichen und es zeigt,dass du mit dir im Reinen zu sein scheinst und das freut mich für dich!
    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir,Gruß,Sarah

    1. Liebe Sarah,

      Vielen vielen Dank! Ich muss zugeben, dass ich sehr lange mit mir gehadert habe ob ich jemals so ehrlich sein sollte auf meinem Blog, ob es passt ob es zwischen den anderen Dingen überhaupt Platz hat. Aber eine Freundin von mir meinte dann „Das ist doch das was dich ausmacht“ Und das stimmt: Ich bin die Summe meiner Geschichten und Gedanken. Und weil ich so gut mit ihnen ( in der Zwischenzeit) kann, ist es vielleicht auch eine Art „Lebensaufgabe“ an mich selbst, sie mit anderen zu teilen – wer weiß.

      Danke für deine lieben Worte!!

      Wünsche dir eine wunderbare Woche.

      Alles Liebe, Viki

  2. Liebe Viki – also ich den Titel in der Vorschau sah, war eben mein Tee fertig. Ich habe begonnen zu lesen… und auch ich finde es sehr mutig und auch schön, dass Du so persönlich und ehrlich schreibst über Dein Leben. Dieses Offenheit zeigt anderen, dass das Leben nicht immer ein Ponyhof ist. Das Leben muss auch kein Ponyhof sein. Wir alle tragen unseren Lebensrucksack, einmal leichter, einmal schwerer. Das Leben ist ein Geschenk, auch wenn es manchmal Ecken und Kanten hat. Besonders schön finde ich, dass Du Menschen um Dich hast, die wirklich zu Dir schauen. Denen Du wichtig bist. Die sich Zeit nehmen für Dich, Dein Leben, Deine Probleme und Sorgen. Solche Menschen sind ein grosses Geschenk. Ich drück Dich jetzt Mal online fest und hoffe auf ein Wiedersehen. Noch etwas: Ich persönlich spreche über meinen Rucksack kaum, das fällt mir schwer. Dankbar bin auch ich – sehr sogar. Für mein aktuelles Leben, meine Familie.. die Freunde die mich wirklich mögen, die Menschen, die rücksichtsvoll mit mir umgehen, sich Zeit nehmen, zuhören und einfach da sind, wenn ich sie brauche. Elisabeth

  3. Wunderschöner Artikel, hat mich wirklich sehr berührt! Ich denke, dass alles im Leben ,auch wenn zu dem Zeitpunkt nicht so scheint, irgendwie einen Sinn hat und man mit jedem guten und auch schlechtem Erlebnis stärker wird.

    1. Liebe Melanie, Danke für die lieben Worte! Das freut mich!
      Ich glaube auch dass der Gedanke „Irgendwann macht das wieder Sinn“ einem durch viele Dinge hindurch hilft. Es fügts ich eh alles im Leben! Alles Liebe, Viki

  4. schöne worte hast du da gefunden. wir sollten alle mal innehalten und eifach dankbar für das sein, das wir haben und uns vor augen halten wie viel glück und luxus wir unser eigen nennen dürfen! positv denken.. bin ich dabei 🙂
    einen lieben gruß aus dem 4 sterne s hotel österreich
    Claudia

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