15 Minuten zu Früh. Ich stehe unten im Eingang zum Bürogebäude und warte. Ich möchte noch nicht hinauf – 15 Minuten ist ja dann doch sehr früh und ich will nicht zu überpünktlich sein. Ich mag das auch nicht wenn die Leute da einfach 15 Minuten zu früh kommen – aber ob das doch gut ankommt? Ich weiß es nicht. Ich bin gerade mal 20 Jahre alt. Ich habe die Schule mit ach und krach beendet, habe auf einer Uni begonnen zu studieren deren erster Eindruck einen Brechreiz verursacht hat. Gerade habe ich mein gefühltes 25igste – wahrscheinlich das Dritte- Vorstellungsgespräch vor mir. Endlich mal wieder eine Agentur und keinen ollen Event-Hostess-Job der zwar ganz nett bezahlt ist aber mich geistig so viel fordert wie das Teleshopping um 3 Uhr Früh. Ich bin nervös. Ich will diesen Job wirklich. Er klingt gut, ist zwar schlecht bezahlt, aber was solls. Sicher besser als Event-Hostess spielen oder andere Hostessen zu kontrollieren. Meine Hände sind etwas warm, ich gehe alles 5 mal durch – Habe ich alles mit? Was sage ich am besten als erstes? Was sollte ich machen? Was muss ich wohl tun um den Job zu bekommen? Sitzt meine Bluse? Wie sehe ich aus? Ist mein Pickel eh nicht zu sehen? – In meinem Kopf flitzen die Gedanken wie in einer 10-spurigen Autobahn.

3 Minuten vor dem Termin. Ah! Vor lauter Gedankenautobahn habe ich vergessen zu läuten. Die Tür öffnet sich und ich suche den Lift: Keiner da, zumindest sehe ich gerade keinen. Ich muss in den 5ten Stock – bevor ich jetzt suche, renne ich die Stiegen rauf. Wie eine verrückte. Habe ich schon erwähnt? Es hat 40 Grad – es ist Juni. Ich sterbe während ich die Stiegen hochlaufe. Als ich keuchend und komplett fertig ankomme, sehe ich den Lift genau vor der Eingangstüre zum Büro. „Mal wieder typisch“ – denke ich und ich muss lächeln. Das Leben ist ja wirklich manchmal sehr ironisch zu einem – da kann man ja nur lachen. Noch die letzten 2 Stufen, dann stehe ich vor der Eingangstüre, da geht sie schon auf – „Mah typisch, jetzt kann ich mir nicht mal die Jacke noch richten“. Als ich die letzte Stufe nehme und mit einem Lächeln im Gesicht aufsehe, starrt mich eine grimmige mid 30igerin an. „Warum lachen Sie?“ Die Stimme habe ich bis heute im Kopf und die Energie, die da mitgeschwungen hat auch. Lachen, ist nicht. Ich starre sie an – hat die das gerade wirklich gefragt? Ich bin 20, ich suche nach einer guten Antwort, aber finde keine außer „Nicht wichtig“. Während ich das sage, schwindet die Faszination für den Job drastisch. „Will ich diesen Job wirklich? Bei so jemanden?“.

Das Bewerbungsgespräch? Eine Katastrophe. Die Frage nach dem Lachen war nur der Einstieg zu einem aggressiven Fragespiel der mich ins Eck drängen will. Ich bleibe höflich, aber frage mich ob es irgendwo eine verstecket Kamera gibt – Nein, ich hoffe darauf. Denn es wäre schön wenn jetzt plötzlich irgendwo ein positiver Mensch hervorspringen würde und mich von dieser Person fern halten könnte. Die kleine Agenturchefin glaubt anscheinend, sie hätte einen überbezahlten Job als Vorstand für einen multinationalen Konzern ausgeschrieben oder hat einen an der Waffel – irgend ein Machtproblem. Wie auch immer. Am Liebsten würde ich aufstehen und gehen. Aber ich gut erzogenes Kind bleibe natürlich und lasse das über mich ergehen.

Nach gefühlten 10 Stunden begleitet sie mich zur Türe – am Liebsten würde ich einfach schreiend rauslaufen. Aber ich drehe mich um und strecke ihr die Hand zu, um mich zu verabschieden. „Sie hören von uns“ – sagt sie. Ich denke mir „Na, bitte nicht“ und sage „Ja, würde mich freuen“ – dabei möchte ich mir auf die Zunge beißen. Aber man darf keine Chancen verpassen im Leben – das habe ich gehört – also sage ich lieber nicht, was ich denke. Ich würde ja auch hier arbeiten – vielleicht lerne ich ja was bei der Furie (Man lernt ja bei den Furien meistens echt viel *g*). In meinem Kopf wird gerade die Eventarbeit wieder sehr attraktiv – vielleicht ist das ja doch besser?

Als sie mich eine Woche später anruft, fällt mir ein Stein vom Herzen als sie mir absagt. “Danke – Auf Wiedersehen!“ Ich glaube, ich habe mich nie wieder so gefreut jemanden nie wieder zu sehen 😃